Hilfsverein fordert Unterstützung

Dunkle Stunden in Afghanistan

Explosion während Freitagsgebet in Kundus
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Die Situation ist nach der Machtübernahme der Taliban in der afghanischen Provinz Kunduz angespannt. Menschen leiden an Hunger, und die Perspektive für das Land scheint trostlos.
  • Hilke Bentes
    VonHilke Bentes
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Bergfeld/Kunduz – Die Bergfelder Hilfsvereinsvorsitzende Sybille Schnehage ist weiter in Sorge. Die derzeitige Situation in Afghanistan ist nach der Machtübernahme der Taliban massiv angespannt – für viele Menschen geht es um das nackte Überleben. Die vergangenen Monate galt es, Lebensmittel- und Kleiderverteilungen zu koordinieren, um die Bedürftigen zu unterstützen. Für Afghanistan prophezeit die Bergfelderin in der Zukunft dunkle Zeiten, da hunderttausende Menschen noch immer das Land verlassen wollen.

Hochschullehrer, Ärzte und Gebildete, sie alle sehen in dem Land am Hindukusch keine Perspektive mehr. Schnehage verdeutlicht aber auch, dass das Land natürlich schon zuvor in einer tiefen Krise steckte. „Nicht umsonst hat die Bevölkerung die Taliban ja gewähren lassen. Die Menschen haben auf Besserung gehofft, sie waren die korrupte Regierung leid.“ Vielen Menschen, die außerhalb der Städte leben, fehle laut Schnehage oftmals die Bildung. „Sie haben in ihrer Naivität geglaubt, dass es ihnen besser ergehen wird.“

Doch die derzeitige Lage zeichnet wahrlich ein anderes Bild. Während die Menschen, die es sich leisten können, verzweifelt versuchen auszureisen, droht den Ärmsten die völlige Perspektivlosigkeit. „Viele, die Afghanistan verlassen, sind nicht bedroht“, so Schnehage. „Aber sie wollen in dem Land nicht mehr bleiben.“ Also gerade die Menschen, die noch in irgendeiner Form die wirtschaftliche Existenz sichern könnten, fliehen. „Diese Zukunftsaussichten werden dazu führen, dass sich noch Hunderttausende auf den Weg machen.“ Die Vorsitzende des Hilfsvereins sieht noch große Flüchtlingsströme auf Europa zurollen.

Frauen sind von den Taliban besonders bedroht

Viele Projekte, die der Hilfsverein Katachel betreut, müssen derzeit nach hinten verschoben werden. „Hier geht es nun um die reine Nothilfe, zum Beispiel um Schuhe, die Kinder tragen können.“ Auch wenn beispielsweise das aktuelle Nähprojekt des Vereins wieder starten kann, ist die Situation besonders für Frauen schwierig. „Unsere Absolventinnen sind teilweise ebenfalls nach Kabul geflohen und wollen das Land verlassen.“ Denn gerade Frauen fürchten sich vor den Maßnahmen, die die Taliban derzeit erwirken. Sie werden massiv in ihrer Freiheit eingeschränkt.

Strukturen verbessern, Schulen aufbauen und Perspektiven bieten, all das hat sich nach der Machtübernahme für den Verein verändert. „Wir sind ja nur ein kleiner Hilfsverein, so viel können wir einfach nicht ausrichten“, so Schnehage. Sie appelliert an die internationale Gemeinschaft, das Land finanziell zu unterstützen. Da das Bankensystem noch immer nicht funktioniert, ist der Geldfluss extrem erschwert. „Aber die NGOs sollten weiterhin unterstützt werden“, sagt Schnehage. Diese sogenannten Nichtregierungsorganisatoren leisten wichtige humanitäre Arbeit in Afghanistan und sind auf ausländische Gelder angewiesen.

Derweil ist auch die Corona-Krise in Afghanistan längst nicht besiegt, auch wenn sie in der aktuellen Situation nach hinten rückt. „Die Menschen sterben einfach, aber es nimmt keinen so großen Platz mehr ein“, sagt die Bergfelderin.

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