"Beleidigungen sind kein Kavaliersdelikt"

Kriminalprävention an der Realschule am Drömling

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Die Beauftragte für Kriminalprävention, Liane Jäger, fesselte mit einem praxisbezogenen Unterricht zum Thema Cyber Mobbing.

mi Rühen. „Es ist kein Kavaliersdelikt, andere zu beleidigen oder anzügliche Fotos ins Netz zu stellen“, erklärte Doris Beneke, Rektorin der Realschule am Drömling in Rühen.

Deshalb setze sie alles daran, ihre Schützlinge so früh wie möglich zu erreichen und auch die Eltern einzubeziehen. Aus diesem Grunde hatte sie die Beauftragte für Kriminalprävention der Polizeiinspektion Gifhorn, Liane Jäger, nach Rühen eingeladen, um die Schüler der sechsten Jahrgangsstufe in einem praxisbezogenen Unterricht auf die Gefahren von Cyber Mobbing nachdrücklich hinzuweisen.

Auch die Hauptkommissarin sprach von knallharten Straftaten, die begangen werden, wenn jemand über einen längeren Zeitraum und mit dem Ziel, ihm zu schaden, bloßgestellt und fertiggemacht wird. Sie berichtete vom Fall eines 16-jährigen Mädchens in Braunschweig, das von zwei 17-jährigen Jungen und einem gleichaltrigen Mädchen ganz massiv gemobbt wurde. Die Täter wurden ermittelt und wegen mehrerer Delikte bestraft.

Es gelang Liane Jäger, die Zwölf- und Dreizehnjährigen anzusprechen und so zu fesseln, dass sie höchst aufmerksam den Ausführungen folgten. Sie betonte, dass alles, was jemand ins Netz stelle, nicht mehr zu löschen sei. Das gelte besonders auch für Bilder, die beispielsweise ein frisch verliebtes Mädchen ihrem Freund schicke. Wenn die Beziehung beendet werde, wende sich der einstige Partner oft gegen die ehemalige Freundin und versuche, die ehemalige Liebe als möglichst schlecht und schlimm darzustellen.

Gebannt lauschte die Klasse, als die Polizistin eine E-Mail vorlas, in der das 16-jährige Mädchen sich hilfesuchend an sie gewandt hat. Mit übelsten Beleidigungen und gefälschten Aktfotos wurde das Opfer in die Enge getrieben, sodass es sich kaum noch in die Schule traute und im schlimmsten Fall sogar einen Suizid ins Auge fasste. Zu den Motiven derartigen Mobbings trugen die Schüler einige Idee zusammen: Rache, Neid, eine Mutprobe oder auch Langeweile können sie sich als Motive vorstellen. Liane Jäger bezeichnete die Täter als „oft mitleidswürdig“. Häufig hätten sie ein sehr geringes Selbstwertgefühl und versuchten, das an anderen auszulassen oder durch üble Taten einen besseren Stand in der Clique zu erreichen.

Sie warnte Zeugen in Klassenverbänden oder anderen Gruppen, Vorgänge wie Mobbing einfach zu übersehen. Wissen und Schweigen könne als unterlassene Hilfeleistung ausgelegt werden. Jäger: „Es gibt in jeder Gruppe Starke. Die sind gefragt und gefordert, wenn ein solches Treiben unterbunden werden soll.“

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