Raupen auf dem Vormarsch

Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners läuft bald an – Nester auch abseits von Eichen

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Experten rechnen auch in diesem Jahr mit einer massiven Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners. Der Landkreis steht zur Bekämpfung in den Startlöchern. 

Samtgemeinde Brome – Die großflächige Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners (EPS) läuft bald an: Über 400 Hektar sollen per Hubschrauber mit dem bacillus thuringensis, der den Verdauungsapparat der Raupen angreift, besprüht werden (das IK berichtete).

Befliegung ab Ende April oder Anfang Mai

Der geplante Bekämpfungszeitraum ist vom Stand der Larvenentwicklung abhängig, soll aber Ende April bis Anfang Mai liegen. Auch andere Aspekte spielen eine Rolle: So wird das zu versprühende Gift erst wirksam, sobald die Bäume genügend Blätter ausgebildet haben, denn es handelt sich um ein Fressgift. Es soll etwa 70 Prozent der Raupen töten, danach wird abgesaugt. Weiterhin wird an 1.500 Einzelbäumen vom Boden aus gesprüht, hunderte weitere Bäume abgesaugt.

Warten auf Freigabe

Der Landkreis wartet auf die Freigabe durch die Nordwestdeutsche Forstwirtschaftliche Versuchsanstalt, könne die geplanten Maßnahmen aber kurzfristig umsetzen, denn man werde koordiniert vorgehen, hieß es.

Bekämpfung auch im Drömling

Die Einsatzgebiete sind bereits kartografiert. Die Karte der Bekämpfungsfläche kann bei der Gemeindeverwaltung eingesehen werden. Auch Teile des Feuchtgebietes Drömling sind mit 70 Hektar mit aufgenommen. In den Bekämpfungsgebieten kann es nach Auskunft des Landkreises zu Straßensperrungen und Betretungsverboten kommen.

Massiver Befall in Kaiserwinkel, Rühen und Parsau

Denis Ekarius, Experte für Baumpflege und den EPS, sieht einen massiven Befall voraus. Wie im Vorjahr waren Testnester bereits sehr früh geschlüpft, dazu kam ein kaum vorhandener Winter. Würde es noch einmal längeren Frost geben, könnte das die Population noch einmal eindämmen. Aber damit ist beim aktuellen Wetter kaum zu rechnen. Das größte Vorkommen sei derzeit in Kaiserwinkel zu beobachten, aber auch Rühen und Parsau bilden wieder einen Herd.

Nester nicht nur an Eichen

Vereinzelt hatten besorgte Bürger Nester nicht nur an Eichen gesehen: Auch an anderen Bäumen und sogar Hauswänden habe sich der EPS eingenistet. Gerade bei Letzteren bestehe aber kaum Gefahr, da die Nahrung fehle und der EPS sich so gar nicht bis in das gefährliche Stadium entwickeln könne, in dem sich die Brennhaare bilden, so die Experten.

Weiterhin Ärger um Finanzierung

Aber die Ausbreitung in Richtung Westen sei nicht zu vernachlässigen. Trotz dieses Trends will sich das Land weiterhin nicht an der Finanzierung der Bekämpfung beteiligen. Die Befliegung kostet pro Hektar rund 318 Euro, ein Besprühen vom Boden aus pro Baum 10 bis 13 Euro, eine Absaugung rund 92 Euro. Das bedeutet eine enorme Belastung für die betroffenen Kommunen, aber auch Privatpersonen. Die Kosten der Letzteren übernähmen zwar zunächst die Gemeinden, die können sich das Geld später aber zurückholen. Das Land werde sich derweil nur an den Stellen einsetzen, an denen Eichen in Vorjahren massiv durch Fraß beschädigt worden seien.

Ärger auch in Sachsen-Anhalt

Dabei wird es in diesem Jahr nicht leichter. Auch im Nachbarland Sachsen-Anhalt, auf das man gerne verwies, da es die Bekämpfung finanziell unterstützt, gibt es derzeit Probleme. So hat man in Oebisfelde nur rund ein Zehntel von dem erhalten, was zur Bekämpfung nötig wäre. Allein im sachsen-anhaltischen Drömling seien etwa 10 000 Eichen aufgelistet. Anfang Juni will man sich mit Experten vor Ort treffen.

VON DENNIS TESCH

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