Kerstin Labyk ist seit 21 Jahren Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Brome

„Angst, gesehen zu werden“

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Bei vielen Frauen, deren Kinder und sie selbst misshandelt werden, ist die Hemmschwelle sehr groß, zur Sprechstunde ins Bromer Rathaus zu gehen. Zu groß ist die Angst, gesehen zu werden.

Brome. Es ist knapp vier Wochen her, dass beim Frauenpolitischen Sektempfang im Gifhorner Schloss die Einführung der Gleichstellungsstelle im Landkreis Gifhorn vor 30 Jahren im Mittelpunkt des Abends stand.

Vieles habe sich für die Frauen zum Positiven gewendet, vieles müsse aber noch optimiert werden.

Kerstin Labyk.

Für die Samtgemeinde Brome ist Kerstin Labyk seit 21 Jahren ehrenamtlich im Einsatz. Einmal pro Woche bietet sie im Bromer Rathaus eine Sprechstunde an, etwa 40 pro Jahr. „Allerdings ist die Hemmschwelle, zur Beratung ins Rathaus zu kommen, sehr hoch. Weniger bei Beratungen zum Wiedereinstieg in den Beruf, als bei häuslichen Problemen“, weiß Labyk. Nicht selten werde sie beim Einkauf angesprochen, statt dass die Betroffene ins Rathaus kommt. Die Angst, gesehen zu werden, sei sehr groß.

Häufig gehe es um Scheidungsprobleme, oft verbunden mit Misshandlungen. „Viele Männer denken besondere Rechte zu haben, weil sie das Geld verdienen. Die Frauen sind oftmals mittellos und erdulden vieles aus Angst davor, auf der Straße zu stehen – eventuell mit dem Kind“, berichtet die Gleichstellungsbeauftragte im Gespräch mit dem IK. Die Männer, die der Grund für die Auseinandersetzungen seien, würden im Haus wohnen bleiben. Da sei es ein besonders schönes Gefühl, wenn man Rückmeldung bekommt, dass die Beratung zum Erfolg zum Abschluss kam und eine Situation glücklich geendet ist.

Andererseits, so Labyk, gebe es auch Fälle, die sich nicht so einfach abschütteln lassen. Vor Jahren habe es einen Fall von Kinderpornografie gegeben. „Das geht an die Schmerzgrenze und man stellt sich selber die Frage, ob man das überhaupt aushalten möchte“, so die Ehrenamtliche. Den Fall haben dann die Polizei und das Jugendamt übernommen. Labyk: „Ich habe keine Rechtsbefugnisse, ich kann nur weiterleiten. Wenn sich Menschen in einer hilflosen Situation befinden versuche ich, über das Jugendamt Türen zu öffnen.“ Gleiches gilt in Fällen von Misshandlungen, in denen Labyk die Vermittlertätigkeit an das Frauenhaus übernimmt. „Wir sind eher nach Wolfsburg orientiert, das ist näher als Gifhorn.“ Nach Angaben von „NDR Hallo Niedersachsen“, soll es in Niedersachsen zu wenig Plätze in Frauenhäusern geben und im vergangenen Jahr mehr als 2600 Frauen abgewiesen worden seien. „Mir ist nicht bekannt, dass jemand abgewiesen wurde“, so die Gleichstellungsbeauftragte.

Die nächste Sprechstunde im Bromer Rathaus, Zimmer 108, ist am Montag, 26. Februar, von 10 bis 11 Uhr. In dieser Zeit ist Kerstin Labyk auch unter (05833) 84102 oder kerstin.labyk@samtgemeinde-brome.de zu erreichen.

Von Carola Hussak

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