IK-Serie über Junglandwirte in der Region

Alma-Mara Hagemann aus Croya musste früh Verantwortung übernehmen

Alma-Mara Hagemann auf der Aufzuchtsweide in Croya.
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Zum landwirtschaftlichen Betrieb in Croya gehört auch die Pferdezucht: Alma-Mara Hagemann entschied sich 2017 zur Übernahme des elterlichen Hofes.
  • Hilke Bentes
    VonHilke Bentes
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Croya – Es gibt Situationen, auf die kann man sich nicht vorbereiten. Dann gilt es zu handeln und Entscheidungen zu treffen. Das musste auch Alma-Mara Hagemann aus Croya erkennen. Eigentlich war der Plan klar: Studieren, irgendetwas in Richtung Landwirtschaft machen. Doch vor vier Jahren galt es plötzlich, sich für oder gegen den Familienbetrieb ihrer Eltern in Croya zu entscheiden, denn ein Schicksalsschlag traf die Familie völlig unerwartet. In der IK-Serie über Junglandwirte in der Region spricht die 25-Jährige über Verantwortung, Zukunftsvisionen und viele helfende Hände.

Der landwirtschaftliche Betrieb in Croya war für Hagemann bis 2017 gedanklich noch weit weg. Ihr Vater hatte den Hof, eine Art Zweigstelle der Familie, „gut im Griff“, sodass die fünfköpfige Familie, die bis dahin in Bottendorf lebte, in dem Bereich noch keine Zukunftspläne schmiedete. 2016 schloss Hagemann nach ihrem Abitur eine landwirtschaftliche Ausbildung ab, um dann für knapp ein Jahr nach Kanada zu reisen. Und dann wollte sie in Osnabrück Agrarwissenschaften studieren, das war der Plan. „Dass es für mich überhaupt in Richtung Landwirtschaft gehen sollte, fand mein Vater am Anfang nicht mal so gut“, erinnert sich die 25-Jährige. Doch die Vielfältigkeit hatte sie gereizt. Ob ihre Zukunft später in Croya gelegen hätte, wenn nicht der unerwartete Tod ihres Vaters alles auf den Kopf gestellt hätte? „Das weiß ich nicht, ich brauchte soweit noch nicht zu denken.“ Ihr stand es frei, in welche Richtung sie sich entwickeln wollte.

Ihr Vater verstarb 2017 plötzlich, und damit blieb neben der Trauer auch die Frage offen, was mit dem landwirtschaftlichen Betrieb in Croya passieren sollte. Hagemann, die Älteste der drei Geschwister, schmiss ihre Zukunftspläne über den Haufen. „In dem Moment ging es ja nicht nur um mich, sondern auch um den Rest meiner Familie.“ Mehrere Generationen hingen an der Entscheidung mit dran: ihre Großeltern, ihre Mutter, ihre jüngeren Geschwister. Aus einem Gedanken wurde plötzlich Realität.

Anstatt an der Universität bewarb sich Hagemann an der Albrecht-Thaer-Schule in Celle, und schloss dort zwei Jahre später als staatlich geprüfte Betriebswirtin ab. Und dann stieg sie voll auf dem Hof in Croya ein. „Ich hatte großes Glück, denn mein Vater hat mir einen stabilen Betrieb überlassen“, fasst die 25-Jährige die Situation zusammen. Der Hof bewirtschaftet knapp 200 Hektar Ackerfläche. „Wir sind ein mittelständiger Betrieb. Wir bauen Mais, Getreide und Zuckerrüben an.“ Auch die Zucht und Aufzucht von Sportpferden stellt einen Betriebszweig dar. Der Hof beteiligt sich darüber hinaus an einer Biogasanlage im Ort.

Hagemann zog von Bottendorf nach Croya, und anstatt eines fließenden, leisen Übergangs, den es oft in landwirtschaftlichen Familienbetrieben gibt, stand sie vor vielen offenen Fragen. „Die erste Zeit habe ich hier gar nichts verändert, schließlich lief es ja.“

Hilfe gab es von vielen Ecken. „Das war eine sehr große Erleichterung“, sagt Hagemann. Zusammen mit ihrer Mutter gründete sie eine GbR. Das Mutter-Tochter-Gespann teilt sich nun die Arbeit auf. „Meine Mutter übernimmt die Pferde in Bottendorf und Aufgaben im Büro, ich bewirtschafte die Flächen und habe einen Blick auf unsere Fohlen und jungen Pferde, die in Croya stehen.“

Pferde spielen im Leben der Familie Hagemann eine große Rolle, die die Junglandwirtin in Zukunft weiter in den Vordergrund stellen will. Viele erfolgreiche Pferde stammen aus der eigenen Zucht, Hagemann selber ist als Springreiterin auf dem Weg zum Goldenen Reitabzeichen, bereits fünf Siege in der schweren Klasse hat sie auf selbstgezüchteten Pferden erritten. Pension und Aufzucht von Jungpferden – das schwebt ihr neben dem landwirtschaftlichen Schwerpunkt vor. „Strukturen können sich verändern, und man muss sich an die Zeit hier anpassen“, sagt Hagemann.

Grenzen, die musste Hagemann aber auch kennenlernen. Denn in dem Beruf geht es in manchen Fragen auch um Kraft. „Und dann merkt man eben doch, wie schwierig es ist, die großen Geräte zu bewegen, um sie beispielsweise anzukuppeln.“ Die Erntezeit sei hart, und sie stoße schon einmal an körperliche Grenzen. Für die Zukunft wünscht sich Hagemann, dass sie den Betrieb weiter auf sichere Füße stellen kann. „Wie mein Vater es auch getan hätte.“

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