Brome: Ohre schwemmt Nährstoffe in den See / Langfristig hilft nur ein Entschlammen des Gewässers

Algenbildung durch Hochwasser

Vor knapp drei Jahren drohte der Ohresee (gr. Bild) umzukippen. Hohe Temperaturen sorgten vermehrt für Algenbildung, die dem Gewässer Sauerstoff entzieht. Nach dem jüngsten Hochwasser wurden zusätzlich Pestizide in den See spült. Seit letzter Woche ist eine Belüftungsanlage (kl. Bild) im Einsatz. Fotos: Täger/Archiv
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Vor knapp drei Jahren drohte der Ohresee umzukippen. Hohe Temperaturen sorgten vermehrt für Algenbildung, die dem Gewässer Sauerstoff entzieht. Nach dem jüngsten Hochwasser wurden zusätzlich Pestizide in den See spült. Seit letzter Woche ist eine Belüftungsanlager.
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Brome. In den sozialen Medien geht derzeit das Gerücht um, dass es aufgrund des Hochwassers vor etwa zwei Wochen im Ohresee zu einem Fischsterben gekommen ist.

Das kann Andreas Schünemeyer von der Natur- und Angelvereinigung Brome so nicht bestätigen: „Wir haben die toten Fische abgesammelt – einen Tag, bevor das Hochwasser kam. Erst am nächsten Morgen fing das Wasser an, von der Ohre in den See zu laufen.“

Von einem Fischsterben will Schünemeyer auch nicht sprechen. Bevor ein Fisch tot an der Wasseroberfläche schwimme, könnte er auch schon Tage vorher tot am Grund geschwommen haben. Und so viele Fische waren es auch nicht, die aus dem Ohresee geholt wurden – Zander und viele Kleinfische wie Rotaugen. Dass die Fische gestorben sind, kann laut Schünemeyer auch an höheren Temperaturen liegen, die davor herrschten. Hohe Temperaturen führen zu einer erhöhten Algenbildung. „Seit vor zwei Jahren das Ultraschallgerät im See eingesetzt wurde, ist es mit der Algenpopulation um einiges besser geworden“, sagt der zweite Vereinsvorsitzende im IK-Gespräch. Das würde man sogar sehen, das Wasser des Ohresees sei richtig klar geworden.

Um dennoch einem Umkippen des Sees vorzubeugen, hat sich der Verein vor einer Woche mit der Gemeinde getroffen und einen Belüfter eingebaut. „Das ist das Erste, was man machen kann“, weiß Schünemeyer. Durch das Hochwasser stellt sich die Situation derzeit etwas anders dar. Denn mit dem Ohrewasser wurden auch Einträge aus der Landwirtschaft in den Ohresee geschwemmt. So etwas lässt sich nicht verhindern. Aber Algenbildung, so Schünemeyer, ist ein klares Zeichen dafür, dass Pestizide durch das Hochwasser in den See gelaufen sind. So langsam soll sich auf dem Ohresee ein Algenteppich bilden. Und nun müsse das Ultraschallgerät zeigen, was es könne. Bisher, so der zweite Vorsitzende, galt es, den See im Gleichgewicht zu halten, nun muss gegen die Algenneubildung gearbeitet werden.

Die Grundproblematik im Ohresee ist, dass das Wasser von der Quelle her über diverse Zufuhrflüsse bis nach Brome fließt und dort komplett zum Stehen kommt. Sobald die Temperaturen steigen, lagern sich Nährstoffe auf dem Grund des Sees ab und entziehen diesem Wasser immer mehr Sauerstoff. „Der Ohresee ist ein künstlich angelegtes Gewässer, das macht sich eben bemerkbar“, so Schünemeyer. Das Ultraschallgerät und die Belüftungsanlage würden das Problem generell nicht lösen, eher in Schach halten. Nach mehr als 30 Jahren würde es nur eine Lösung geben: den See entschlammen.

Von Carola Hussak

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