Wolfgang von Weyhe und Dr. Friedrich-Wilhelm Schulz investieren 1,3 Millionen Euro in Nahwärmenetz in Tülau

250 000 Liter Heizöl pro Jahr sparen

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Seit September wird die Abwärme des Blockheizkraftwerkes für Nahwärme genutzt.

Tülau. Etwa 250 000 Liter Heizöl werden jährlich gespart. In diesen Genuss kommen 84 Haushalte der Gemeinde Tülau. Sie nutzen seit September die Nahwärme des Unternehmens Nahwärme Tülau (NWT), deren Geschäftsführer Wolfgang von Weyhe und Dr.

Friedrich-Wilhelm Schulz zu gleichen Anteilen sind. Positiv für die Haushalte: Sie erhalten für die kommenden zehn Jahre eine Preisstabilität.

Wolfgang von Weyhe (links) und Dr. Friedrich-Wilhelm Schulz vor dem Tülauer Versorgungsplan.

Ein Jahr haben sich die beiden Tülauer Zeit gelassen, das Projekt umzusetzen. „Und das nicht auf ganz klassischem Wege“, merkt Weyhe an, der mit fünf weiteren Eigentümern die Bioenergie Tülau betreibt. „Die Idee zu diesem Vorhaben hatten wir, aber ich wollte das Projekt nicht alleine in die Hand nehmen, weil mir das Know-how dazu fehlt“, berichtet Weyhe im IK-Gespräch. So kam ihm zugute, dass Schulz nach etwa 40 Jahren in seinen Heimatort zurückzog. „Als wir unser Haus gebaut haben, stellte ich mir natürlich die Frage, woher ich die Wärme beziehen kann. Ich habe dann Herrn Weyhe getroffen, der bereits aus der Biogasanlage Fernwärme bezog“, erinnert sich Schulz. Positiv sei natürlich, dass sich das Kraftwerk direkt im Ort befindet. „Herr Schulz hat erkannt, dass wir die Wärme nicht herunterkühlen und einfach verpuffen lassen können“, erläutert Weyhe. Der Eifer war geweckt. Zunächst hatten die beiden Tülauer die Stadtwerke Wolfsburg (LSW) angesprochen. Weyhe: „Die hätten sich auch bereit erklärt, allerdings haben sie dann so geplant, wie sie es gewohnt sind. Der damalige Umfang, 15 Häuser zu versorgen, wäre nicht ohne Zuzahlung möglich gewesen – und das wollte keiner.“

Schlussendlich nahm man sich einen Planer aus Helmstedt. „Allerdings“, so Schulz, „war dieser nicht der Ausführer des Projektes. Die Realisierung haben überwiegen wir in die Hand genommen, zum Beispiel selbst die Gewerke ausgesucht. Dadurch hatten wir nicht nur einen Überblick über die Kosten und die Technik, sondern auch noch gespart.“ Immerhin wurden rund 1,3 Millionen Euro investiert. Einfach sei der Anfang nicht gewesen. Die ersten 30 Haushalte habe man überzeugen müssen, dann sei alles wie von selbst gelaufen.

Die NWT hat das Verlegen von 4900 Metern Leitungen und die Installation von Wärmeüberträgerstationen samt Vor- und Rückläufen übernommen. „Das bedeutet für die Bürger, dass sie kaum Reparaturen haben. Bis zum Wärmeaustausch sind wir verantwortlich“, erklärt Weyhe. Vorab habe man bei den Haushalten den Jahresverbrauch abgefragt. 650 Kilowatt produziert die Anlage. Sollte es zu kalt werden und die Kapazitäten des Blockheizkraftwerkes nicht ausreichen, springt der große Heizölbrenner ein. „Dieses Jahr wird uns zeigen, wie ausreichend die Kapazitäten sind. Für uns ist die Optimierung wichtig. Daher kontrollieren wir täglich die Werte und halten diese grafisch fest. Vielleicht haben wir so viele Reserven, dass noch weitere Haushalte versorgt werden können. Eine neue Rohrtrasse könnte angeschlossen werden“, stellt Schulz in Aussicht. Das sei aber noch Zukunftsmusik.

In etwa zehn Jahren soll sich das 1,3 Millionen-Projekt finanziell rentiert haben. „Wir wollen keinen großen Gewinn machen. Hauptsächlich sollen die Kreditzinsen und die Tilgung bedient werden. Das Wichtigste ist, dass unsere Kunden sparen. Denn Energie wird definitiv teurer werden“, meint Schulz.

Von Carola Hussak

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