Rühen als Startpunkt

Kampf gegen Eichenprozessionsspinner findet mit 14 Flügen durch das ganze Gifhorner Kreisgebiet statt

Der Hubschrauber startet im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner
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Die Wiese hinter dem Feuerwehrgerätehaus in Rühen war der Startpunkt und die Tankmöglichkeit für den Hubschrauber, der im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner durch das komplette Gifhorner Kreisgebiet flog
  • Hilke Bentes
    vonHilke Bentes
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Rühen – 260 Hektar, 14 Flüge und 41 Einsätze. Diese Zahlen standen am Ende der kreisweiten Bekämpfungsmaßnahme gegen den Eichenprozessionsspinner auf dem Tacho des Piloten Steffen Becher. Trotz des Wetters konnten am Mittwoch (19. Mai) alle Flüge stattfinden, um den gesundheitsgefährdenden Spinnern den Kampf anzusagen. Aufgrund zwischenzeitlicher Regenschauer und einer angekündigten Gewitterwarnung drohte der Einsatz erweitert werden zu müssen. Doch schlussendlich hatte dann doch noch alles geklappt. Kurz nach 18 Uhr landete der „Helix“ Mittwochabend zum letzten Mal neben dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr Rühen.

Bereits zum dritten Mal fand die Befliegung statt, um dabei die von den Larven befallenen Eichen mit dem Biozid Bacillus thuringiensis zu besprühen. „Es ist und bleibt weiterhin notwendig, dass wir das machen“, erklärte Landrat Dr. Andreas Ebel. Die vergangenen Großeinsätze hatten gezeigt: „Die gesundheitlichen Beschwerden können damit eingedämmt werden.“ Erkenntnis der diesjährigen Maßnahme: Der Raupen-Befall verlagert sich. War in den vergangenen Jahren ein Schwerpunkt in der Samtgemeinde Brome festzustellen, musste der Pilot nun Flächen im ganzen Landkreis anfliegen. Um die Koordination besser zu staffeln, war der Hubschrauber abwechselnd im Nord- und dann im Südkreis unterwegs. Um die Organisation vor Ort kümmerte sich die Informations- und Kommunikationstechnik. Auch die Freiwillige Feuerwehr der Samtgemeinde Brome half bei nötigen Straßensperrungen mit, 25 Einsatzkräfte waren im Einsatz. Und auch die Kreisstraßenmeisterei war vor Ort.

Keine Zwischenfälle

Die Befliegung klappte ohne Zwischenfälle. „Mittlerweile gibt es eine Akzeptanz in der Bevölkerung. Die Menschen wissen, was passiert“, sagte Bromes Samtgemeindebürgermeisterin Manuela Peckmann. Gab es 2019 und 2020 noch Einzelfälle, bei denen sich Menschen in abgesperrten Gebieten aufhielten, war das Mittwoch nicht zu verzeichnen.

Neben dem Besprühen soll vonseiten des Landkreises, den Samtgemeinden und Gemeinden in den kommenden Wochen auch weiterhin auf die Bekämpfung vom Boden gesetzt werden. Und das Absaugen von übrig gebliebenen Nestern sei bis in den August weiter möglich, erklärte Antje Präger als Fachbereichsleiterin Umwelt beim Landkreis. Insgesamt kostete die Befliegung aus der Luft rund 90 000 Euro, die weiteren Maßnahmen am Boden noch einmal 140 000 Euro. Man wolle auch die Forschung im Blick behalten, um nach weiteren Lösungsansätzen im Kampf gegen die Raupen zu suchen. „Der Eichenprozessionsspinner ist kein neues oder regionales Problem, umso unverständlicher, dass das Land sich nicht beteiligt“, sagte der Landrat.

Für kommende Einsätze –keiner zweifelte daran, dass die Befliegung auch 2022 stattfindet – wird man wohl noch über Nachjustierungen sprechen, auch wenn sich viele Dinge schon gut eingespielt haben. Bromes Gemeindebrandmeister Frank Mosel wünschte sich eine noch bessere Koordination und Einbindung der Feuerwehr. „Ich weiß, dass viele Dinge nicht planbar sind, aber für uns Einsatzkräfte würde ich mir einen besseren Einblick in den Ablauf wünschen.“ Es sei für die Feuerwehr eine riesige Herausforderung. Schließlich habe nicht jeder Arbeitgeber für so spontane Freistellungen Verständnis – auch mit Blick auf die kurzfristigen Verschiebungen des Einsatzes. Ebel lud die Verantwortlichen der Feuerwehr darauf in den bestehenden Arbeitskreis ein, um den Kommunikationsweg noch kürzer zu gestalten.

Dass Rühen auch im kommenden Jahr als Angelpunkt der Maßnahme dient – darüber müssen die Verantwortlichen ebenfalls noch einmal nachdenken. Rühens Ortsbrandmeister Jens Hohnke gab die Bedenken des Piloten weiter: „Die Flüge bis beispielsweise nach Sprakensehl kosten extrem viel Zeit.“ Mit Blick auf die Verschiebung des Befalls müsse man über einen anderen, zentraleren Platz zum Tanken und Nachfüllen nachdenken.

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