Weggefährten nehmen Abschied von Wolfgang Wagner

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Freunde und Weggefährten haben am Sonntag von Wolfgang Wagner Abschied genommen.

Bayreuth - Freunde und Weggefährten haben von Wolfgang Wagner Abschied genommen. Die Gedenkfeier für den langjährigen Leiter der Bayreuther Festspiele würdigten Künstler und Politiker sein Lebenswerk.

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Trauerfeier für Wolfgang Wagner

In großer Dankbarkeit und Trauer haben Angehörige und Weggefährten am Sonntag Abschied genommen von Wolfgang Wagner. Der langjährige Leiter der Bayreuther Festspiele war am 21. März im Alter von 90 Jahren gestorben. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) würdigte den Enkel Richard Wagners als außergewöhnlichen Menschen, begnadeten Intendanten und eine der facettenreichsten Persönlichkeiten der Opernwelt. “Wolfgang Wagner hat mit seinem Wirken Musikgeschichte geschrieben“, sagte Seehofer bei einer knapp zweistündigen Gedenkfeier im Festspielhaus. 

Bilder von der Trauerfeier

Trauerfeier zum Tode von Wolfgang Wagner

Hunderte Bürger verfolgen Trauerfeier über Lautsprecher

Neben rund 1000 geladenen Gästen verfolgten mehrere hundert Bürger die Übertragung der Trauerfeier auf dem Platz vor dem Festspielhaus. Umrahmt wurde die Feierstunde mit Werken von Richard Wagner und Felix Mendelssohn Bartholdy. Unbestätigten Informationen zufolge soll die Urne mit Wagners Asche an diesem Dienstag neben seiner Ende 2007 verstorbenen zweiten Frau Gudrun beigesetzt werden.

Christian Thielemann, der Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker und Stammdirigent am “Grünen Hügel“, appellierte an die beiden neuen Festspielleiterinnen und die Mitwirkenden, das Vermächtnis Wagners anzunehmen und mit neuem Leben zu erfüllen. Mit seinem unermesslichen Erfahrungsschatz, seiner menschlichen Nähe und Güte habe er eine unvergleichliche Arbeitsatmosphäre am “Grünen Hügel geschaffen und die Wagner-Interpretation über Jahrzehnte beeinflusst. “Wolfgang Wagner war ein Patriarch in des Wortes ursprünglichster Bedeutung, der erste unter den Vätern“, betonte Thielemann.

Prof. Joachim Thiery erinnerte an Wagners Lebenswerk

Prof. Joachim Thiery, der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und enger Freund Wagners, dankte dessen Tochter Katharina für die aufopferungsvolle Pflege ihres Vaters. Was sie in den letzten Monaten rund um die Uhr leistete, habe er in seiner langjährigen Praxis als Arzt noch nicht erlebt. Thiery würdigte Wagner als zutiefst selbstlosen, fürsorgenden und geraden Menschen, der sich mit fast kindlicher Begeisterung auf Experimente mit den Werken seines Großvaters eingelassen habe.

Thiery erinnerte daran, dass Wagner zusammen mit seinem Bruder Wieland die Festspiele nach 1945 aus der Verstrickung “mit der unmenschlichsten Zeit der deutschen Geschichte“ befreit habe. Während des “Kalten Krieges“ habe Wolfgang Wagner unentwegt für künstlerische Kontakte zur damaligen DDR gesorgt. “Er war 1985 der erste Westregisseur überhaupt, der seine Bayreuther “Meistersinger“ zu den Menschen in Dresden gebracht hat“, betonte Thiery.

Absage von Sohn Gottfried überschattet Trauerfeier

Wagner stand von 1951 bis August 2008 an der Spitze der Festspiele, davon mehr als 40 Jahre in alleiniger Verantwortung. Zum 1. September 2008, zwei Tage nach seinem 89. Geburtstag, übergab er die Festspielleitung an seine beiden Töchter, die Halbschwestern Eva Wagner-Pasquier (64) und Katharina Wagner (31).

Überschattet wurde die Trauerfeier von der Absage von Wolfgang Wagners Sohn Gottfried und der Familie seines 1966 verstorbenen Bruders Wieland. Dessen Tochter Nike Wagner, die Leiterin des Kunstfestes in Weimar, zählte jahrelang zu den heftigsten Kritikern des Festspielchefs. Sie und ihre Geschwister Iris, Wolf Siegfried und Daphne hatten sich darüber beklagt, ihnen seien keine angemessenen Plätze für die Trauerfeier angeboten worden.

dpa

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