Erste Hilfe beim Ertrinken

Männer saufen häufiger als Frauen ab: So vermeiden Sie Badeunfälle

Gutes Wetter, entspanntere Corona-Situation – ab an den See! Doch warnt die DLRG vor Badeunfällen? Wie kann dem vorgebeugt werden?

Bad-Nenndorf – Es ist ein schreckliches Szenario, das leider immer wiederkehrt: Mit Beginn der Sommer- und Feriensaison häufen sich auch die tödlichen Badeunfälle. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit Hauptsitz im niedersächsischen Bad-Nenndorf warnt im Speziellen vorm Schwimmen ohne Badeaufsicht. Die Corona*-Pandemie könnte zu noch mehr Notfällen als bisher führen. 24hamburg.de liefert den großen Überblick.

Gemeinnützige Organisation:Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft
Gründung:19. Oktober 1913, Leipzig
Mitglieder:565.826 (2018)
Präsident:Hans-Hubert Hatje
Dachorganisation:International Life Saving Federation
Rechtsstatus:Eingetragener Verein
Tochtergesellschaft:ugend der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft

DLRG-Statistik: 2020 sind mindesten 378 Menschen ertrunken – Flüsse und Seen als große Gefahrenquellen

Erst Anfang März 2021 hat die DLRG eine Statistik hinsichtlich Todesfällen durch Ertrinken im vergangenen Jahr veröffentlicht. 2020 sind in Deutschland mindestens 378 Menschen ertrunken. Der Großteil hiervon, mindestens 335 Personen, hat sein Leben in Binnengewässern verloren.

Vor allem in unbewachten Badebereichen kommt es oft zu Unfällen. Welche Erste-Hilfe-Kniffe müssen in diesem Fall angewendet werden? (24hamburg.de-Montage)

Es gilt: „Flüsse und Seen sind nach wie vor die größten Gefahrenquellen*. Das tückische Problem: Vergleichsweise wenige Gewässer werden von Rettungsschwimmern bewacht. Das Risiko, dort zu ertrinken, ist deshalb um ein Vielfaches höher als an Küsten oder in Schwimmbädern“, heißt es von DLRG-Präsident Achim Haag. Aber auch in Hamburgs wieder offenen Freibädern* ist natürlich Vorsicht geboten.

Corona-Krise lässt Deutsche im eigenen Land urlauben – zu wenig DLRG-Personal an Badestellen

Da die Corona-Krise Reisen ins Ausland weitestgehend unmöglich machte, hätten viele Menschen ihren Urlaub in heimischen Gefilden und Gewässern verbracht. Haag spricht von einem Andrang, der „teilweise sehr groß“ war „und unsere Ehrenamtlichen an den vielen Rettungsstationen hatten viel zu tun“.

Männer ertrinken häufiger als Frauen – zu viel Übermut, zu wenig Schwimmkenntnisse

Am häufigsten würden Übermut, mangelnde Schwimmfähigkeiten, Selbstüberschätzung, Alkohol*, aber auch die Unkenntnis möglicher Gefahren zu Badeunfällen führen. Dies gilt vor allem für Männer. Laut DLRG sind vier von fünf Todesopfern männlich. Um Badeunfälle bereits im Keim zu ersticken, sollte vermieden werden, erhitzt ins Wasser zu springen.

Denn ein Sprung in kühle Gewässer kann schnell zu Unterkühlung und zu Krämpfen führen. Der Temperaturunterschied zwischen Luft und Wasser kann den Kreislauf belasten. Vor allem ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Herz-Kreislauf-System sind besonders gefährdet. Auch sollten extreme Strömungen wie in der Lübecker Bucht* gemieden werden.

Tipps für Erste Hilfe beim Ertrinken: Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage

Die DLRG empfiehlt, langsam ins Wasser zu gehen und den Körper allmählich ans kalte Wasser zu gewöhnen. Wer friert, sollte das Gewässer verlassen. Ist Erste Hilfe zu leisten, muss sich an Folgendes gehalten werden: Bei Atemstillstand ist sofort mit der Mund-zu-Mund-Beatmung zu beginnen.

Liegt ein Herzstillstand vor, sollte gleichzeitig eine Herzmassage erfolgen. Es wird davon abgeraten, Wasser aus den Lungen oder dem Magen zu entfernen. Dies sei nicht effektiv und würde letztendlich nur wertvolle Zeit kosten. Um solche Extremsituationen zu vermeiden, empfiehlt die DLRG immer wieder, nur an bewachten Badestellen schwimmen zu gehen. Zudem sollten Warnhinweise unbedingt beachtet werden.

Unbekannte Gewässer ziehen Kinder an – Nachwuchs kann schon in kaum tiefem Wasser ertrinken

Denn vor allem unbekannte Gewässer, aber auch Freibäder wie in Niedersachsen*, bergen nicht absehbare Gefahren. Diese würden Kinder nahezu magisch anziehen. Deswegen sollten Eltern ihre Kinder an Gewässern nie aus den Augen verlieren. Ein Ratschlag der DLRG, der bereits für den flachen Gartenteich gilt. Denn kleine Kinder können schon in wenige Zentimer tiefem Wasser ertrinken.

Hinzukommt, dass Kinder „leise“ ertrinken. Gerät ein Kind im Wasser in Not, sei dies für Außenstehende oft nur schwer zu erkennen, warnt die „Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder“. Der gemeinnützige Verein beschäftigt sich ausschließlich mit der Prävention von Kinderunfällen zu Hause und in der Freizeit.

Corona-Krise lässt Schwimmfertigkeit zurückgehen – Schwimmausbildung muss besser werden

Erst 2014 wurde von besagter Bundesarbeitsgemeinschaft ein Kindersicherheitstag mit dem Slogan „Sicherheit im und am Wasser“ veranstaltet. Thematisch wurde sich mit der Unfallprävention im und am Wasser, aber auch dem Schwimmenlernen beschäftigt. Eine Grundausbildung, die Corona-bedingt nicht mehr zwingend gegeben ist.

DLRG-Präsident Achim Haag spricht in diesem Zusammenhang von einer „zurückgehenden Schwimmfertigkeit“ bei Kindern und führt dies auf „längerfristig geschlossene Bäder“ im Corona-Jahr 2020 zurück. Haag beklagt eine Entwicklung, die bereits vor Beginn der Pandemie begonnen habe.

„Die Anstrengungen müssen deutlich intensiviert werden, um marode Bäder zu sanieren und Schulunterricht sicherzustellen. Sobald die Bäder wieder öffnen können, gilt es, zusätzliche Wasserzeiten für die Ausbildung zu schaffen“, fordert Achim Haag. Denn wenn eine gute Schwimmausbildung stattfindet, seien auch verstärkt Badeunfälle wie an der Nordsee* oder Tragödien wie am Achterdieksee* zu vermeiden. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa & Jens Büttner/dpa

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