Schweizer Schläger: Zwei Angeklagte schweigen

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Die drei Schläger Mike B., Benji D. und Ivan Z. sind wegen versuchtem Mord angeklagt.

München - Vor dem Landgericht München hat heute der Prozess gegen die schweizer Schläger begonnen. Nur einer der drei Schüler, Mike B., hat bislang eine Aussage gemacht.

Die anderen beiden wegen versuchten Mordes angeklagten Schüler haben nach Angaben eines Nebenklagevertreters zum Prozessauftakt geschwiegen. Den drei Schweizern wird vorgeworfen, im vergangenen Juni in München fünf Menschen angegriffen und teils schwer verletzt zu haben.

Mike B. habe am Vormittag über sich selbst gesprochen, sagte der Anwalt Wolf-Dietrich Kohler am Montag am Rande der Verhandlung vor der Jugendkammer des Landgerichts München I. Dabei habe sich der Jugendliche als nicht aggressiv und fröhlich beschrieben. “Er hat sich aus seiner Sicht gut dargestellt.“ Laut dem schweizer "Blick" soll Mike B. gesagt haben: "Ich bin eigentlich ein ganz fröhlicher, ich bin kein Schlägertyp." Kohler vertritt einen Geschäftsmann aus Ratingen, den die damals 16 Jahre alten Jugendlichen im vergangenen Sommer zusammengeschlagen haben sollen.

Im Lauf des Nachmittags will sich Mike B. auch zum Tatvorwurf äußern, teilte Gerichtssprecherin Margarete Nötzel mit. Die Angeklagten hätten sehr jugendlich auf sie gewirkt. Beim Prozess seien auch die Eltern anwesend. Die Stimmung im Gerichtssaal sei unaufgeregt, so weit dies unter den gegebenen Umständen möglich sei.

Ob sein Mandant wieder vollständig genesen ist oder bleibende gesundheitliche Schäden davongetragen hat, wollte Kohler nicht sagen. Er äußerte sich auch nicht zu möglichen Schadenersatzforderungen, die der Geschäftsmann stellen könnte.

Verteidigung scheitert mit Antrag auf Verlegung

Zum Auftakt der Verhandlung hatten die Verteidiger angezweifelt, dass der Prozess überhaupt in München stattfinden dürfe. Die Staatsanwaltschaft habe nicht geprüft, ob am Wohnort der Angeklagten verhandelt werden könne, rügten die Verteidiger nach Angaben von Justizsprechern. Den drei Schülern drohen wegen Mordversuchs bis zu zehn Jahre Haft nach deutschem Jugendstrafrecht. In der Schweiz wäre die Höchststrafe vier Jahre. Richter Reinhold Baier lehnte den Antrag auf Verlegung des Prozesses ab.

Die Verhandlung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil die Schüler Mike B., Benjamin D. - genannt Benji - und Ivan Z. bei der Tat noch keine 18 Jahre alt waren. Hölzerne Stellwände versperrten im Gerichtsgebäude den Blick auf die Angeklagten. Aus reiner Lust am Prügeln sollen die damals 16-Jährigen im vergangenen Juni in München fünf Menschen zusammengeschlagen haben. Ihnen drohen wegen Mordversuchs bis zu zehn Jahre Haft nach Jugendstrafrecht.

Die Anklage legt ihnen auch gefährliche Körperverletzung zur Last. Den Ermittlungen zufolge hatten die drei Beschuldigten zusammen mit Schulkameraden in einem Park Alkohol getrunken und Marihuana geraucht. Auf dem Heimweg in ihre Unterkunft sollen sie binnen einer knappen halben Stunde fünf Passanten überfallen haben. Die Schüler aus der zehnten Klasse einer Weiterbildungs- und Berufsfachschule in Küsnacht am Zürichsee waren auf Klassenfahrt in München.

Mit großer Wucht gegen den Kopf getreten

Die Staatsanwaltschaft geht in zwei Fällen von versuchtem Mord aus: Einem körperbehinderten Mazedonier sowie einem Geschäftsmann aus Ratingen (Nordrhein-Westfalen) sollen die Jugendlichen mit so großer Wucht gegen den Kopf getreten haben, dass beide Opfer bewusstlos liegen blieben. Es sei darum gegangen, “ein bisschen Spaß zu haben“, hatte einer der Beschuldigten nach Angaben der Ermittler später ausgesagt.

Die ersten Opfer waren den Ermittlern zufolge in dem Park drei Mazedonier, unter ihnen der Körperbehinderte. Danach sollen die Jugendlichen den damals 46 Jahre alten Versicherungskaufmann aus Ratingen überfallen haben. Ob er bleibende gesundheitliche Schäden davongetragen hat, wird Thema im Prozess sein. Zuletzt sollen die Schüler einen Studenten aus Bulgarien verprügelt haben.

"Nichtiger Anlass" führte zur Eskalation

“Es ist nicht nachvollziehbar, wie es überhaupt zu der Tat kam“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Steinkraus-Koch, vor Prozessbeginn. Ein “nichtiger Anlass“ scheine zu der Eskalation geführt zu haben. Vor allem wegen des Alters der Angeklagten steche der Fall “aus der Masse heraus“. Gerichtssprecherin Nötzel erinnerte an den Fall der Münchner U-Bahn-Schläger vor rund zwei Jahren und den von Jugendlichen in München zu Tode geprügelten Geschäftsmann Dominik Brunner: Das Schreckliche sei in all diesen Fällen die große Brutalität.

Am heutigen ersten Verhandlungstag wurde zunächst die Anklage gegen Mke B., Benjamin D.und Ivan Z. verlesen. Darin schildert der Vertreter der Staatsanwaltschaft detailiert, wie die Taten abgelaufen sein sollen. Danach haben die drei angeklagten Schüler Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern.

Verteidiger kritisiert Herausgabe von Informationen

Verteidiger Christian Finke warf der Staatsanwaltschaft vor, sich nach der Verhaftung der Schüler “unschön“ verhalten zu haben. Ein Ankläger hatte damals von einem “Amoklauf ohne Waffen“ gesprochen. “Die Staatsanwaltschaft muss sich den Vorwurf machen lassen, unfair bei der Herausgabe von Informationen gewesen zu sein“, sagte Finke.

Zwei der Opfer nehmen als Nebenkläger im Prozess teil. 38 Zeugen und ein halbes Dutzend Sachverständige sind benannt. Bisher sind bis Anfang Mai sieben Prozesstage angesetzt.

dpa / apn

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