Leiche gefunden: Vermisste Jugendrichterin ist tot

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Handelt es sich um die Leiche der vermissten Jugendrichterin Kirsten Heisig?

Berlin - Die deutschlandweit bekannte Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig ist tot. Nach dpa-Informationen handelte es sich bei der am Samstag in einem Berliner Forst gefundenen Frauenleiche um die seit Tagen vermisste Juristin.

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Wie Polizeisprecher Frank Millert der “Berliner Morgenpost“ am Samstag bestätigte, wurde die Tote in der Nähe von Heisigs Auto gefunden, das verlassen im Berliner Norden in der Nähe eines Waldstückes entdeckt worden war. In dem Wagen lagen persönliche Dinge wie der Ausweis der Juristin. Über die Identität und die Todesumstände konnte Millert zunächst zunächst keine Angaben machen. Es gibt wohl keine Hinweise auf Fremdeinwirkung. Ein Abschiedsbrief war nicht gefunden worden. Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) sagte vor Journalisten, sie gehe dennoch von Suizid aus. Laut Polizei werden die Ergebnisse der Obduktion der Leiche frühestens am späten Abend vorliegen. Einen Bericht des “Berliner Kuriers am Sonntag“, wonach sich Heisig erhängt haben soll, bestätigte ein Polizeisprecher nicht.

Die Polizei hatte seit Tagen fieberhaft nach der bekannten Jugendrichterin gesucht. Die Frau war am Mittwoch vermisst gemeldet geworden. Die Polizei ermittelte, dass sie am Montag zuletzt von Bekannten aus Berlin-Reinickendorf gesehen worden war.

Porträt Kirsten Heisig

Kirsten Heisig hatte sich vor allem mit ihrem engagierten Kampf gegen Jugendkriminalität bundesweit einen Namen gemacht. Die sportliche, superschlanke Frau wollte nicht hinnehmen, dass zwischen Delikt und Verurteilung von jugendlichen Kriminellen Monate liegen. Als Jugendrichterin am Amtsgericht Tiergarten war die 48-Jährige für den Berliner Problemkiez Neukölln zuständig. Dort initiierte sie das mittlerweile berlinweit geltende Neuköllner Modell.

Heisig hatte öffentlich gemacht, womit sich viele Gerichte herumplagen und sie polarisierte damit auch. Doch Erfolg und Popularität hatten der bekannten Richterin auch zu schaffen gemacht. “Ich habe keine Freunde hinzugewonnen. Ich fühle mich oft als Exot wahrgenommen. Das sagt mir zwar keiner ins Gesicht, das läuft so verdeckt“, hatte sie in einer dpa-Reportage gesagt. Auch der Vorwurf, sie sei ganz wild auf Öffentlichkeit, machte ihr zu schaffen. Sie habe auch nicht erwartet, dass ihre Vorstellungen solche Kreise ziehen. Über ihre Erfahrungen schrieb sie ein Buch. “Das Ende der Geduld“ sollte nach bisherigen Planungen im September erscheinen.

Heisig glaubte daran, dass die Spirale von Gewalt, Respektlosigkeit und Verwahrlosung Jugendlicher gestoppt werden könne. Unermüdlich warb sie gerade bei Migranten dafür, dass Jugendliche mit ausländischen Wurzeln lernen müssten. Kriminalität fange oft mit Versagen in der Schule an, warnte sie immer wieder in Schulen, Vereinen und Nachbarschaftstreffs. Für diese Auftritte investierte sie viel Zeit nach den Prozessen im Gericht. Viel Lob bekam sie von Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD).

Über ihre beiden Töchter wollte Heisig nicht sprechen, um sie aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Heisig sagte von sich, dass sie Niederlagen wegstecken könne. Beim Joggen mit Hund habe sie Ausgleich gefunden.

dpa/apn

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