Nach Feuer-Inferno: Brandstifter verurteilt

+
Feuerwehrleute löschen am 14.05.2012 in Metzingen einen Brand an einem Wohnhaus. Der Brandstifter wurde jetzt zu elfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Tübingen/Metzingen - Es war ein regelrechtes Feuer-Inferno. Zwei Menschen sind gestorben, weil ein 35-Jähriger im Keller gezündelt hat. Trotzdem glaubten die Richter dem Angeklagten, dass er sich nichts Böses dabei gedacht hat.

Vermutlich wollte er nur ein bisschen zündeln - doch am Ende ist ein großes Wohnhaus abgebrannt, zwei Menschen waren tot und dutzende obdachlos. Ein 35-Jähriger ist wegen der Brandstiftung in einem Haus in Metzingen (Baden-Württemberg) zu gut elfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Seinen Beteuerungen, dass alles ein tragisches Unglück gewesen sei, schenkten die Richter in Tübingen am Freitag keinen Glauben. Der 35-Jährige sei wegen der bevorstehenden Geburt seines ersten Kindes überfordert gewesen, sagte der Vorsitzende Richter. Trotzdem glaubte er dem Angeklagten, dass er die schlimmen Folgen der Tat nicht erwartet hat.

Es war ein regelrechtes Feuer-Inferno, das die 400 Einsatzkräfte im Mai 2012 an die Grenzen ihrer Kräfte brachte. 50 Menschen mussten vor den Flammen in Sicherheit gebracht werden, einige kamen mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus. Ein 39-Jähriger sprang in Panik aus einem Fenster im 2. Stock und überlebte nur mit viel Glück. Mehrere Familien verloren ihr Hab und Gut. Für eine 80-jährige Frau und einen 55-jährigen Mann kam jede Hilfe zu spät.

Die Anklage hatte zunächst Anklage wegen zweifachen Mordes erhoben und dem 35-Jährigen vorgeworfen, den Tod der beiden Menschen bewusst herbeigeführt zu haben. Doch davon rückte auch die Staatsanwältin schließlich ab, und die Richter schlossen sich dieser Sichtweise an. Als der Angeklagte in der Tiefgarage einen Haufen Sperrmüll in Brand setze, habe er diesen verheerenden Ausgang nicht im Blick gehabt, hieß es in der Urteilsbegründung.

Die Verantwortung für den Brand und seine schlimmen Folgen hatte der 35-Jährige schon früh übernommen. Er sei an jenem Abend in die Tiefgarage gegangen, um in dem Sperrmüll-Haufen nach Dingen zu suchen, aus denen er ein kleines Geschenk basteln könnte. Das wollte er seiner hochschwangeren Verlobten mitbringen, die kurz vor der Geburt schon im Krankenhaus lag.

Doch dann sei in der Tiefgarage plötzlich das Licht ausgegangen. Um wieder etwas sehen zu können, habe er sein Feuerzeug angezündet. Dabei sei er aus Versehen an den Müllhaufen gekommen und habe ihn angezündet, behauptete der 35-Jährige. Doch er habe die Flammen schnell wieder löschen können. Dann sei er ins Bett gegangen. Wie sich das Feuer dann entwickelt habe, sei ihm völlig unklar.

Doch an dieser Version äußerte ein Brandsachverständiger Zweifel. Aus Versehen lasse sich ein solcher Müllhaufen nicht so leicht in Brand setzen. Sie waren deshalb am Ende sicher, dass der 35-Jährige den Brand nicht aus Unachtsamkeit ausgelöst hatte. Weil der Mann alkoholkrank ist, ordneten die Richter für ihn eine Therapie im Maßregelvollzug an.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare