Elektromobilität

Raser vom eigenen Auto verraten: Tesla übermittelt Video an Polizei

Auf dem Lenkrad des Elektroautos Model 3 von Tesla ist das Logo zu sehen.
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Autos von Tesla sind vollgepackt mit Kameras. Nach einem Unfall in Berlin halfen diese der Polizei bei den Ermittlungen. (Archivbild)

Nach einem Unfall in Berlin überführt die Polizei einen Raser. Die entscheidenden Beweise kamen dabei von dem Auto selbst: Einem Tesla.

Berlin – Damit ein Tesla* so funktioniert wie er soll, muss eine ganze Menge Software verbaut werden. Die fahrenden Computer verfügen über allerlei Radare, Sensoren und natürlich Kameras. Das alles kann die Fahrt enorm erleichtern, allerdings auch zu Problemen führen. So kam es vor Kurzem in Berlin dazu, dass die Polizei nach einem Unfall Daten des Elektroautoherstellers für die Überführung eines Fahrers nutzte, wie das ZDF berichtete.

Mit 160 Kilometern pro Stunde raste der Teslafahrer durch Berlin. Nachdem er eine Ampel gerammt hatte, versuchte er Fahrerflucht zu begehen, wobei sein Auto alles dokumentierte. Als die Polizei im Rahmen der Ermittlungen bei Tesla um die Videoaufnahmen des Unfalls sowie die Fahrdaten bat, rückte das Unternehmen beides bereitwillig heraus. Andreas Winkelmann, der in Berlin für die Strafverfolgung von Rasern zuständig ist, sagte gegenüber dem ZDF: „Der Tesla hat seinen eigenen Fahrer verpfiffen, ansonsten wäre die Aufklärung der Tat in dieser Tiefe nicht möglich gewesen.“ Der Fahrer musste letztendlich eine hohe Geldstrafe zahlen und für ein Jahr seinen Führerschein abgeben.

Videoübermittlung nach Unfall in Berlin: Datenschützer kritisieren Tesla

Datenschützer kritisieren Tesla für ihre Überwachungstechnologie, insbesondere den sogenannten „Wächtermodus“. Dieser zeichnet Menschen auf, die sich dem Auto nähern. „Es ist nicht richtig, wenn der Fahrzeughalter über die Daten von Passanten verfügt“, sagt Michael Will, der als Chef des Landesamtes für Datenschutz in Bayern zuständig für Tesla ist, im ZDF. „Die Daten gehören nicht dem Fahrzughalter und in keinem Fall Tesla.“ Auch in dem Fall in Berlin hatte die Polizei Zugriff auf Aufnahmen, die vor Antritt der Fahrt aufgezeichnet wurden.

Tesla selbst sieht sich nicht in der Verantwortung, auf Datenschutz zu achten. Auf Nachfrage des ZDF schreibt das Unternehmen, dass für die Einhaltung der geltenden Gesetze und Vorschriften die Fahrzeugbesitzer zuständig sind. Außerdem werden Aufnahmen der Fahrzeuge nicht an Tesla übertragen. Ausnahme seien dabei sicherheitskritische Ereignisse oder wenn die Besitzer ausdrücklich ihre Zustimmung erteilen. Darüber hinaus könnten Fahrzeughalter der Datenübermittlung jederzeit widersprechen, wobei dann aber „eingeschränkte Funktionalität, ernsthafte Schäden oder Funktionsunfähigkeit eintreten“ können. (vbu) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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