Suchtexperten: Deutsche saufen zu viel

Berlin - Jeder Deutsche trinkt vier Mal mehr Alkohol als laut der Deutschen Hauptstelle für Sucht gesundheitlich vertretbar ist. Die daraus resultierende Sucht koste jährlich Milliarden. Die Zahlen:

Zwölf Liter reinen Alkohol trinkt jeder Deutsche zwischen 18 und 64 Jahren im Schnitt pro Jahr. Gesundheitlich vertretbar wären aber maximal drei Liter, warnte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) am Dienstag in Berlin. Alkohol verursache als Genuss-, Sucht- und Rauschmittel jährlich Milliardenkosten: Es gebe 3,3 Millionen Abhängige, hinzu kämen Verkehrsunfälle, Straftaten und schwerste Gesundheitsfolgen.

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Jährlich erkranken weltweit bedingt durch den Alkoholkonsum 390.000 Menschen an Krebs. Die DHS fordert deswegen eine Abgabe auf den Verkaufspreis und verstärkte Präventionsmaßnahmen. Zudem müsse die ständige Verfügbarkeit alkoholischer Getränke, etwa an Tankstellen, ein Ende haben.

Experten warnen vor Krebs durch Alkohol

Etwa jede 30. Krebserkrankung weltweit ist nach Expertenangaben auf chronischen Alkoholkonsum zurückzuführen. Die Deutsche Hauptstelle (DHS) für Suchtfragen hat deshalb am Dienstag in Berlin erneut vor dem Missbrauch von Bier, Wein oder Schnaps gewarnt.

“Die Alkoholkultur in Deutschland ist ein nationales Desaster“, sagte DHS-Geschäftsführer Raphael Gaßmann. Wenn ein Erwachsener pro Jahr drei Liter reinen Alkohol trinke, sei dies schon “mehr als genug“.

Chronischer Alkoholkonsum sei jährlich für 3,6 Prozent der weltweiten Krebserkrankungen verantwortlich, sagte der ärztliche Direktor des Heidelberger Krankenhauses Salem, Helmut K. Seitz. Wer täglich 50 Gramm reinen Alkohol trinke, was etwa einem halben Liter Wein entspreche, trage ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko, an Krebs im Mund-Rachen-Raum oder in der Speiseröhre zu erkranken. Bei mehr als 80 Gramm sei das Risiko von Speiseröhrenkrebs 18-fach erhöht. Beim gemeinsamen Konsum von Alkohol und Zigaretten steige dieses Krebsrisiko sogar um einen Faktor von 44 an.

Alkohol schade dem gesamten Organismus, betonten die Experten. Gefährdet seien neben Mundhöhle und Speiseröhre auch Magen, Dünndarm, Leber, der gesamte Stoffwechsel, Herz, Blutkreislauf und das Immunsystem. Auch das Skelett und die Skelettmuskulatur sowie das Nervensystem seien einem erhöhten Risiko ausgesetzt.

Die Empfehlung der DHS für einen risikoarmen Alkoholkonsum lautet: Frauen sollten pro Tag nicht mehr als 0,3 Liter Bier oder 0,15 Liter Wein oder Sekt trinken - allerdings an nicht mehr als fünf Tagen in der Woche. Bei Männern liegt der Grenzwert doppelt so hoch.

DAPD/dpa

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