Streit um Mega-Flagge in Berlin

Berlin - In der Neuköllner Sonnenallee tobt der Flaggenkrieg: Eine überdimensionale Deutschlandfahne an einer Hausfassade ist das Ziel linksautonomer Attacken. Dabei geht es um mehr als nur Fan-Kult.

Ein 20 mal fünf Meter großes Stück Stoff sorgt für Zunder im Berliner Stadtteil Neukölln. An der Sonnenallee 36 haben arabischstämmige Deutsche eine überdimensionale Flagge in Schwarz-Rot-Gold aufgehängt. Die ist der linken Szene in Neukölln ein Dorn im Auge: Bereits mehrfach haben Vermummte die Fahne heruntergerissen und beschädigt. Yussef Bassal, der die Flagge an der Fassade angebracht hat, musste sie bereits zwei Mal ersetzen. Trotzdem will der Deutschland-Fan die Flagge bis zum Ende der Fußball-WM hängen lassen.  „Wenn wir aufhören, haben wir verloren“, sagt er. „Deswegen machen wir weiter.“ Zuletzt hat er sogar in seinem Elektroladen im Erdgeschoss des Hauses geschlafen, um die Fahne vor nächtlichen Attacken zu schützen.

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Löcher in der 20 Meter langen Flagge.

Inzwischen hat sich auch die Politik in den Fahnenstreit eingeschaltet. Grünen-Bildungspolitiker Özcan Mutlu reagiert mit Unverständnis: "Es wird erwartet, dass sich die Zuwanderer integrieren, aber wenn sie sich zu den Farben der Demokratie bekennen, werden sie angegriffen." Gerade sie hätten den Deutschen die verkrampfte Haltung zu den Nationalfarben genommen, die den Bundesbürgern bis zur WM 2006 nachgesagt wurde. "Das Zeigen der Farben der deutschen Demokratie bei öffentlichen Anlässen wie einer WM muss nicht unbedingt mit dumpfem Nationalismus zu tun haben", sagt Mutlu.

Offenbar haben die Aktionen der Autonomen System: Glaubt man dem Internetforum fahnenflucht.blogspot.eu der "Autonomen WM-Gruppe" sammeln die linken Aktivisten für jede zerstörte Fahne Punkte. Eine abgerissene Autofahne gebe demnach einen Punkt, für die abgerissene Riesenfahne gibt es sogar hundert Punkte. Damit sich die Vermummten beim Punktesammeln in der Sonnenallee besonders schwer tun, wird die Mega-Flagge jetzt Tag und Nacht bewacht.

Rubriklistenbild: © getty-images

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