Chemiehändler versorgte "Sauerland"-Gruppe

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Die vier Islamisten der Sauerlandgruppe.

Verden - Die Sauerlandgruppe plante 2007 den größten Terror-Anschlag in der deutschen Geschichte. Ein Chemielieferant half den Terroristen bei ihrem Plan. Sein Geständnis vor Gericht:

Chemikalienlieferant der “Sauerland“- Terroristen hat beim Auftakt seines Prozesses den Handel gestanden. Er habe aber nicht vermutet, dass die neun 65-Kilo-Kanister Wasserstoffperoxid zur Herstellung von Sprengstoff benutzt werden sollten, erklärte der 39-Jährige am Dienstag vor dem Landgericht im niedersächsischen Verden.

Der Terrorprozess gegen die Sauerlandgruppe

Die Bilder vom Terrorprozess gegen die Sauerlandgruppe

Wegen der Planung der größten Anschläge in der Geschichte der Bundesrepublik hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf im März vier Islamisten zu Haftstrafen zwischen fünf und zwölf Jahren verurteilt.

In ihrer einstündigen Anklageverlesung warf die Staatsanwaltschaft dem Chemikalienhändler aus Hodenhagen mehr als 200 Einzelfälle aus den Jahren 2007 bis 2009 vor. Er habe über das Internet zahlreiche Substanzen vertrieben, deren Verkauf an sich zwar nicht illegal sei. Strafbar sei dabei aber, dass er aufgrund seiner großen Vorkenntnisse habe wissen müssen, dass die Chemikalien zur Herstellung von Sprengstoff oder Betäubungsmitteln geeignet waren.

Die Verfahrensbeteiligten einigten sich auf einen Kompromiss, um den Prozess abzukürzen. Wenn der Beschuldigte ein glaubhaftes Geständnis ablegt, wird ein Teil der Vorwürfe fallengelassen. Ihm droht dann eine Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren und neun Monaten, aber höchstens drei Jahren und neun Monaten.

Im Jahr 2007 sei der Terrorist Fritz Gelowicz mehrmals bei ihm gewesen und habe die bestellten Kanister abgeholt, berichtete der Angeklagte. Er habe keinen Verdacht geschöpft. Der Kunde habe “ordentlich ausgesehen, war umgänglich“. Zudem könne Wasserstoffperoxid auch zur Desinfektion oder zum Blondieren von Haaren benutzt werden.

Ein anderer Käufer hatte mit der erhaltenen Ware eine Rohrbombe gebaut, wieder andere stellten Amphetamine her. Insgesamt hatte der Online-Händler rund 3000 Kunden. Der Prozess wird an diesem Donnerstag fortgesetzt.

dpa

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