Schmerzen und Krämpfe

Skandal! Schüler macht sich fast in die Hosen, aber Lehrerin lässt ihn nicht aufs Klo 

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Seine Lehrerin sagte ihm, er darf nicht aufs Klo. Jetzt will seine Mutter die Frau anzeigen und dafür sorgen, dass sowas nicht wieder passiert. 

Ein skurriler Fall sorgt an der Heinrich-Heine-Schule in Dreieich für Ärger: Weil eine Lehrerin Danilo Dosen in einer Doppelstunde verbot, auf Toilette zu gehen, will seine Mutter jetzt Anzeige erstatten. Die Schulleiterin kann den Wirbel nicht verstehen. 

Dreieich – Eigentlich will Danilo Dosen am 7. Mai während des Unterrichts nur kurz auf Toilette. Doch um den schnellen Gang zum stillen Örtchen ist jetzt ein bitterer Streit entbrannt. „Wir wollen keinen Skandal. Aber das geht zu weit“, sagt Danilos Mutter, Adriana Gammaro. Doch was ist passiert? Den Vorfall an der Heinrich-Heine-Schule in Dreieich schildert der Zehntklässler so: Er habe eine Doppelstunde gehabt, zweimal 45 Minuten, ohne Pause. Darüber berichtet extratipp.com*. Nach der ersten Stunde habe er dann dringend aufs Klo gemusst. Weil ein paar Minuten vorher bereits eine Mitschülerin gefragt habe, ob sie austreten darf, und die Lehrerin dies gestattet habe, habe auch er höflich gefragt. Doch die Lehrerin habe ihm den Toilettengang verboten. „Sie hat gesagt, dass ich ein Mann sei und das aushalten müsse“, erzählt der Neu-Isenburger, der einen Tag nach dem Vorfall 18 wird.

Danilo hat starke Schmerzen - der Unterricht danach wird zur Qual

Weil er keinen Eintrag ins Klassenbuch riskieren will, bleibt er sitzen – unter starken Schmerzen und Krämpfen, wie er sagt. Erst nach weiteren 45 Minuten kann Danilo in der Pause endlich das große Geschäft erledigen. Doch auch anschließend habe er unter Bauchschmerzen gelitten. „Ich konnte dem Matheunterricht kaum folgen“, sagt der Schüler. Nach der Stunde geht er schließlich ins Sekretariat und meldet sich krank. Dann fährt er direkt zum Hausarzt. Der stellt ihm ein Attest aus. Diagnose: „Vermehrt Bauchbeschwerden nach verweigertem Toilettengang in der Schule“. Für Danilos Mutter ist der Vorfall keine Lappalie. „Lehrer haben es sicherlich nicht leicht. Und Danilo ist bestimmt kein Musterschüler. Aber auch Lehrer müssen sich an die Regeln halten. Und einem Schüler zu verbieten, aufs Klo zu gehen, grenzt für mich an Machtmissbrauch.“

Dieses Attest bekam Danilo von seinem Arzt - die Diagnose schockiert.

Lehrerin ignoriert Anrufe der Mutter

Die Mutter will die Lehrerin zur Rede stellen. Zweimal habe sie deshalb im Sekretariat angerufen. Doch einen Rückruf habe sie nicht erhalten. Daraufhin informiert sie das zuständige Schulamt. „Aber auch hier hielt es niemand für nötig, mit mir zu sprechen. Oder sich vielleicht zu entschuldigen“, sagt Gammaro. Schulleiterin Sigrid Harnischfeger kann den Wirbel nicht nachvollziehen. Auf EXTRA TIPP-Anfrage erklärt sie schriftlich: „Danilo hatte, nachdem die Lehrerin ihn bat, den Toilettengang in die Pause zu verlegen, ruhig und ohne Anzeichen von Beschwerden weiter am Unterricht teilgenommen. Er hat sich nur geärgert, dass ein Mädchen kurz zuvor noch auf Toilette gegangen ist. Das fand er ungerecht.“

Mutter will etwas für nachfolgende Generationen ändern

Aber dürfen Lehrer einem Schüler den Klo-Besuch während des Unterrichts überhaupt verbieten? „Schüler haben selbstverständlich das Recht, im Bedarfsfall auch während des Unterrichts eine Toilette aufzusuchen“, erklärt Susanne Meißner, Leiterin des Staatlichen Schulamts in Offenbach gegenüber extratipp.com*. Wollen Schüler kurz vor Unterrichtsschluss oder in einer wichtigen Phase die Toilette aufsuchen, könne es jedoch sein, dass Lehrer nachfragen. Etwa ob dies zwingend notwendig ist und ob die Schüler nicht ein paar Minuten warten können.

Danilo schämt sich nicht - schließlich wollte er nur auf die Toilette gehen. Und das sollte ihm niemand verbieten. 

Adriana Gammaro geht es ums Prinzip. Sie will die Lehrerin anzeigen. Denn je nach Fall kann das Klo-Verbot den Tatbestand der Körperverletzung, Nötigung oder der Misshandlung von Schutzbefohlenen erfüllen. „Wir wollen keine Hexenjagd veranstalten. Aber so etwas soll nicht noch einmal passieren. Vielleicht ändert sich zumindest für die nachfolgenden Schülergenerationen etwas“, sagt Adriana Gammaro. Für Danilo Dosen sind die Tage an der Heinrich-Heine-Europaschule gezählt. Wenn alles glatt läuft, hat er Mitte Juni seinen Realschulabschluss in der Tasche. Für den Klo-Ärger schämt er sich nicht. „Ich wollte ja nur aufs Klo. Das ist mein gutes Recht.“

Danilo hat bald seinen Realschulabschluss in der Tasche. Seine Mutter aber will für spätere Generationen an der Heinrich-Heine-Schule etwas ändern. 

Video: Die skurrilsten Schulen

Das sagt eine Rechtsanwältin über Eltern, die Lehrer anzeigen

Der EXTRA TIPP hat mit Mirjam Rose gesprochen. Sie ist Rechtsanwältin und Expertin für Schulrecht - wie sie zu klagenden Eltern steht und ob solche Vorfälle überhaupt noch Einzelfälle sind, erfahren Sie im ganzen Artikel auf extratipp.com*

Kristina Bräutigam


* extratipp.com ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes. 

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