So sicher sind S- und U-Bahnen in Großstädten

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Blumen und Kerzen erinnern an Dominik B., der am Wochenende am S-Bahnhof Solln von zwei Jugendlichen getötet wurde.

Hamburg - Nach dem S-Bahn-Mord in München ist eine Debatte über die Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmittel entbrannt. Eine Umfrage zeigt, wie sicher S- und U-Bahnen in deutschen Großstätten sind.

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Videokameras, Sicherheitspersonal und Notrufsäulen: In allen großen deutschen Städten werden S- und U- Bahnzüge sowie Stationen aus Sicherheitsgründen überwacht. Das ergab eine stichprobenartige Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa am Dienstag. Zwei Jugendliche, die seit Montag wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft sitzen, hatten am Samstag in München einen 50- jährigen Manager auf dem S-Bahnhof Solln zu Tode geprügelt. Der Mann war dazwischengegangen, als die beiden von Kindern Geld erpressen wollten.

Berlin

Berlin hat das größte kommunale Verkehrsnetz in Deutschland. Mehr als 200 Mitarbeiter seien in den S-Bahnen zum Schutz der Fahrgäste im Einsatz, sagte ein Sprecher. Viele S-Bahnhöfe verfügten über Kameraüberwachung. Gefährdete Stationen habe die S-Bahn dabei besonders im Blick. Dabei kooperiere die S-Bahn mit der Bundespolizei. Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), zu denen alle U- und Straßenbahnen sowie die Busse des öffentlichen Nahverkehrs gehören, fühlen sich ausreichend ausgestattet. Anfang des Jahres sei das Sicherheitspersonal auf 120 Mitarbeiter verdoppelt worden, sagte ein BVG-Sprecher. In allen modernen Fahrzeugen sind bereits Videokameras eingebaut, so in 39 Prozent der Straßenbahnen und 66 Prozent der Busse. Bis 2013 sollen auch in älteren Berliner U- Bahnen mit Einzelwagen Kameras installiert werden. Alle 173 Berliner U-Bahnhöfe werden mit Kameras überwacht. Die Bilder werden 24 Stunden lang gespeichert, damit die Bänder im Falle einer Straftat der Polizei übergeben werden können.

München

Die 94 U-Bahnhöfe in München werden von 800 Kameras überwacht, und das seit dem Start des U-Bahn-Betriebs 1971. Mitarbeiter der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) haben die Kamerabilder “live“ im Blick, wie ein Sprecher sagte. Er räumte aber ein, dass sie nicht immer alle 800 Kamerabilder gleichzeitig überwachen könnten. Die U-Bahn-Züge hingegen werden erst jetzt nach und nach mit Kameras ausgestattet worden. Nur sechs der insgesamt 584 Wagen haben bisher Videokameras. Die MVG stellt die Bilder bei Bedarf der Polizei zur Verfügung. Von der S-Bahn, dem Ort des jüngsten Überfalls, waren bislang keine Angaben zu erhalten.

Hamburg

In Hamburg sind alle S-Bahn-Züge sowie S-Bahn-Stationen videoüberwacht. Auch in den großen Bahnhöfen der Hansestadt gibt es Überwachungskameras, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn berichtete. Wie viele Kameras in Hamburg eingesetzt werden, wollte sie nicht sagen: “Ein Sicherheitskonzept kann nur erfolgreich sein, wenn man nicht alles an die Öffentlichkeit gibt.“ Bundesweit seien insgesamt 3200 Videokameras auf Bahnhöfen der Deutschen Bahn im Einsatz. In Hamburg gehören bei der S-Bahn neben der Videoüberwachung auch qualifizierte Sicherheitskräfte, Notrufsäulen auf Bahnhöfen, eine enge Zusammenarbeit mit Bundespolizei und Sicherheitsbehörden zum Sicherheitskonzept. An den Türen der S-Bahnen gebe es außerdem Notrufknöpfe.

Ruhrgebiet

Im Ruhrgebiet sollen bis Ende 2012 alle S-Bahnfahrzeuge mit Videokameras überwacht werden. Bisher seien knapp 35 Prozent der 116 S-Bahnen im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) mit Kameras ausgestattet, teilte eine Sprecherin mit.

Düsseldorf

Die Rheinbahn hat an U-Bahnen und Straßenbahnen im Düsseldorfer Stadtgebiet über 300 Überwachungskameras an Fahrzeugen, Haltestellen, Tunneleinfahrten sowie bestimmten Streckenabschnitten installiert. Allerdings sind nur 15 der insgesamt 336 Züge mit Kameras und Notrufknöpfen ausgestattet. Zusätzlich sind nach Angaben der Rheinbahn mehr als 60 Sicherheitsleute für die Sicherheit in Bussen und Bahnen zuständig. Außerdem begleiten tagsüber Fahrgastbetreuer die Fahrten. An einigen U-Bahnhöfen und oberirdischen Stationen gebe es Notrufsäulen, über die direkt Kontakt mit der Leitstelle aufgenommen werden kann. Im Notfall kann ein Fahrgast an der Säule einen Extraknopf drücken und wird dann von einem Mitarbeiter der Leitstelle beobachtet.

Köln

Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) haben in nahezu allen Bahnen Überwachungskameras installiert, wie ein Sprecher sagte. Wird der Notfallknopf neben der Tür gedrückt, sieht der Fahrer auf einem Bildschirm am Steuerpult Bilder von der Aufnahmestelle im Wagen, kann per Lautsprecher eingreifen und die Polizei alarmieren. An einigen U- Bahn-Stationen und oberirdischen Bahnhöfen hat die KVB ebenfalls Kameras postiert. Mit einem Notknopf kann eine Verbindung zur Leitstelle hergestellt werden. Zudem sind laut KVB rund 200 Mitarbeiter auch für die Sicherheit in Bussen und Bahnen zuständig und in den Abendstunden vereinzelt mit Hunden unterwegs.

Stuttgart

Seit 2005 werden auch in Stuttgart der Hauptbahnhof und die nahe gelegene zentrale S-Bahn-Station komplett videoüberwacht. Sobald in einer der Bahnen oder an einer Haltestelle ein Notrufknopf betätigt wird, werden die Bilder der Videoüberwachung automatisch zur Bundespolizei übertragen. Auch etwa 90 Prozent der teils oberirdisch und teils unter der Erde verkehrenden Stadtbahnen in Stuttgart sowie in den angrenzenden Regionen sind schon Videokameras im Einsatz. Die Aufklärungsquote von Straftaten habe sich dadurch beträchtlich erhöht, hieß es bei der Polizei.

dpa

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