Schweizer Geschäftsleute verlassen Botschaft in Libyen nicht

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Hintergrund des Streits zwischen beiden Ländern ist offenbar die Verärgerung des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi über eine vorübergehende Festnahme seines Sohnes in Genf.

Lausanne - Die beiden seit vielen Monaten in Libyen festgehaltenen Schweizer Geschäftsleute verlassen die Botschaft ihres Landes aus Angst vor einer neuen Entführung nicht.

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Sie waren in dieser Woche von einem unbekannten Ort wieder in die Schweizer Botschaft entlassen worden. Ihnen soll in Libyen bald der Prozess unter anderem wegen Visavergehen gemacht werden. “Sie haben sehr große Angst, dass sie nochmals entführt werden“, sagte Bruna Hamdani, die Frau einer der beiden festgehaltenen Geschäftsmänner, in einem Interview mit der Tageszeitung “Le Matin“ (Freitagausgabe).

Die beiden Männer werden seit Beginn der “Affäre Gaddafi“ im Juli 2008 in Libyen festgehalten. Sie waren für einige Wochen an einen den Schweizer Behörden unbekannten Ort gebracht worden, weil Libyen angeblich ihre gewaltsame Befreiung durch die Schweiz befürchtete. Hintergrund des Streits zwischen beiden Ländern ist offenbar die Verärgerung des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi über eine vorübergehende Festnahme seines Sohnes Hannibal und seiner Schwiegertochter am 15. Juli 2008 in Genf. Diese sollen Hausangestellte misshandelt haben, was sie bestreiten. Die libyschen Behörden haben die beiden Männer nun aufgefordert, die Botschaft zu verlassen, damit ihnen der Prozess gemacht werden kann. “Sie sind besorgt darüber, dass sie vor den Staatsanwalt gerufen würden“, sagte Bruna Hamdani. Ihr Mann sei ängstlicher und verunsicherter denn je. Er wolle die Botschaft nicht verlassen. Mehrere Versuche hoher Schweizer Diplomaten, darunter auch des amtierenden Bundespräsidenten Hans-Rudolf Merz, mit Libyen eine einvernehmliche Lösung zu finden, sind bisher gescheitert.

Unterdessen kritisierte der Genfer Soziologe und Libyen-Kenner, Jean Ziegler, die mangelnde Unterstützung der Schweiz durch die Europäische Union. Das Verhalten der EU in der Affäre Gaddafi sei skandalös, sagte Ziegler der Zeitung “Südostschweiz“ (Freitagausgabe). Vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen habe die EU darauf verzichtet, die Geiselnahme als Menschenrechtsverletzung zu kritisieren.

Die EU handle seit November 2008 mit Libyen einen Rahmenvertrag aus, in dem auch die Menschenrechte thematisiert würden, sagte Ziegler. “Würde die EU erklären, dass die Verhandlungen suspendiert werden, solange die Geiseln nicht frei sind, wäre das Problem innert (innerhalb) kürzester Zeit gelöst“, zeigte sich der Buchautor überzeugt.

dpa

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