Schweigeminute und Andacht für S-Bahn-Opfer

München - Vier Tage nach dem Münchner S-Bahn-Mord haben Bürger bei einer ökumenischen Andacht ihre große Trauer um den erschlagenen Geschäftsmann Dominik Brunner gezeigt.

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Rund 500 Menschen nahmen nach Polizeiangaben am Mittwochabend an dem Gedenken auf einem Parkplatz unweit des Tatorts in München-Solln teil. “Dominik Brunner hat der Zivilcourage ein Gesicht gegeben“, sagte der evangelische Pfarrer Christian Wendebourg. “Sein Mut hat hier Kinder geschützt.“ Zeitgleich mit dem Beginn des Gottesdienstes um 18.30 Uhr standen in ganz München S- und U-Bahnen sowie Busse und Straßenbahnen für eine Gedenkminute lang still.

Bilder der Trauerfeier für Dominik Brunner

Solln: Trauerfeier für Dominik Brunner

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Zu Beginn der Andacht wurde ein Grußbotschaft von Brunners Eltern verlesen, in der sie sich für die Anteilnahme bedankten. Die trauernden Bürger hatten Blumen und Kerzen mitgebracht. Auch der katholische Pfarrer Wolfgang Neidl würdigte Brunners Zivilcourage und äußerte Bestürzung über die Tat. “Betroffenheit, Bestürzung, Fassungslosigkeit - ja, auch Wut - waren in den vergangenen Tagen unsere Begleiter. Und sie werden es wohl auch über diesen Abend hinaus sein.“ Auch Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) und ihr Wirtschaftskollege Martin Zeil (FDP) waren gekommen, um ihre Anteilnahme zu zeigen.

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Die Gedenkminute im Münchner Nahverkehr wurde von den Fahrgästen begrüßt. Auf den Anzeigetafeln war sie vorher bereits angekündigt worden. Am Münchner Stachus fand Versuchsingenieur Markus Mayerhöfer (41) die Aktion “gut, weil das einfach der Hammer ist, was da passiert ist.“ “Vollstes Verständnis“ äußerte auch die 27-jährige Informatikerin Kerstin Bauer. Ruhig saß sie während der 60 Sekunden in der Straßenbahn, dies sei “überhaupt kein Problem“. Auch in der Trambahn von Straßenbahnoberfahrer Dieter Krause (49) blieb es während der Trauerminute ruhig. “Die Leute waren ganz still und zeigten Verständnis - und das zurecht.“

Notruf-Säule am Bahnhof Solln war defekt

Die Notruf-Säule am S-Bahnhof Solln, wo Dominik Brunner von zwei Jugendlichen erschlagen worden war, ist seit ihrem Aufbau vor fünf Jahren nicht funktionstüchtig.

Das räumte laut “Süddeutscher Zeitung“ die Deutsche Bahn (DB) am Mittwochabend ein. Dem Bericht zufolge schob eine Bahn-Sprecherin die Schuld auf den privaten Mitnutzer der Bahnanlagen, die Bayerische Oberlandbahn (BOB). Die BOB habe sie ohne Absprache mit der DB illegal aufgebaut, so der Vorwurf. BOB-Chef Heino Seeger entgegnete, sein Unternehmen sei vertraglich dazu verpflichtet gewesen, die Säulen aufzubauen.

Doch wegen technischer Probleme und weil sich die DB in Vertragsverhandlungen so “unfreundlich“ gezeigt habe, sei die Säule vor etwa fünf Jahren zwar angeschlossen, aber nicht eingeschaltet worden. “Wenn es nach uns ginge“, sagte Seeger dem Blatt, “wäre sie schon seit Jahren im Einsatz.“ Wie Bahn und BOB einräumten, funktionieren die Notrufanlagen an rund 20 weiteren Bahnhöfen nicht, die die BOB anfährt.

dpa

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