Sado-Maso-Mord: 14 Jahre Haft gefordert

+
Die Anklage fordert: Wegen einer “schweren seelischen Abartigkeit“ soll der Angeklagte in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden (Symboldbild).

Potsdam - Er soll ein Fotomodell zur Befriedigung seines Sextriebes mit einer Bratpfanne geschlagen, erwürgt und sich an der Leiche vergangen haben: Dafür drohen einem 39-Jährigen 14 Jahre Haft.

Angeklagt ist er wegen Mordes an einer 20-jährigen Internet- Bekanntschaft und wegen Störung der Totenruhe. Wegen einer “schweren seelischen Abartigkeit“ soll der Mann zudem in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden, heißt es in dem Strafantrag, den die Staatsanwaltschaft am Donnerstag vor dem Potsdamer Landgericht gestellt hat. Die Version der Verteidigung eines Unfalls bei einvernehmlichen Sado-Maso-Sexspielen sei vollständig widerlegt, betonte Anklagevertreter Jörg Möbius.

Während seiner Schilderungen des Geschehens in jener Nacht im Juli 2008 ringt die Mutter des Opfers immer wieder um Fassung. Tatort war ein Appartement in Beelitz-Heilstätten bei Potsdam. Zusammen mit ihrem Mann tritt die Mutter als Nebenkläger auf - ihre Erschütterung ist im Gerichtssaal 8 förmlich zu spüren. Anwalt Johannes Eisenberg drückt die Hand der Frau, bevor er sich mit seinem Plädoyer an den angeklagten Naturwissenschaftler wendet: “Sie sind brandgefährlich.“ Und weiter zum Gericht: “Der Angeklagte wusste um seine sexuellen Fantasien, er wusste, dass er danach gierte, sie umzusetzen.“

Zehntausende Fotos von toten Frauen

Bei dem Mainzer Hobbyfotografen waren laut Staatsanwaltschaft allein 2000 Videos über die Tötung von Frauen und den sexuellen Missbrauch davor, dabei und danach sichergestellt worden. Außerdem fand man “Zehntausende Fotos von toten Frauen“, wie Möbius sagte. “Für ihn existierte lange eine virtuelle Parallelwelt“, die ihm schließlich nicht mehr genügte, hatte Psychiater Jens Köhler als Gutachter vor Gericht über den Angeklagten formuliert. “Was er über Jahre fantasiert und über Jahre abgewehrt hat, ist aufgebrochen.“

Rückblick: Nach mehrmonatigen E-Mail-Kontakten, bei denen sich der Angeklagte und das Model auch über ihre sexuellen Fantasien austauschten, verabredeten sie das Treffen in Beelitz-Heilstätten. Laut Möbius kam es in dem Appartement zum Streit, der Beschuldigte schlug mit der Bratpfanne auf den Kopf der 20-Jährigen und würgte sie dann mindestens zwei Minuten lang zu Tode. “Es handelte sich nicht um in Sado-Maso-Kreisen praktizierte Atemreduktionsspiele.“ Dann habe sich der Mann an der Leiche vergangen.

„Extrem überschießende Selbstherrlichkeit“

Das Motiv? “Vielleicht hat sie “Nein“ gesagt“, als sich der Angeklagte ihr nähern wollte, meinte Möbius. Er warf dem Mann, der sich zum Prozessauftakt mit einer Einlassung über 120 Seiten verteidigt hatte, eine “extrem überschießende Selbstherrlichkeit“ vor.

Anwalt Eisenberg meinte zu dem 39-Jährigen: “Sie sind ein intellektueller Hochstapler, der sich an junge Frauen heranmacht“ - und das könnte wieder passieren, käme der Mann in Freiheit.

Das Urteil ist für den 20. August vorgesehen.

Von Imke Hendrich

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare