Ausnahmezustand in Kaiserslautern

Prozess gegen Hells Angels: Großeinsatz wegen 1000 Rockern

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Mit rigiden Kontrollen wollen die Beamten verhindern, dass die beiden Gangs aneinandergeraten.

Kaiserslautern - Ausnahmezustand in Kaiserslautern: Etwa 1000 rivalisierende Rocker sind zum Prozess gegen zwei Hells Angels wegen Mordes an einem Outlaw-Chef angereist. Hunderte Polizisten sind im Einsatz.

Die erste Kontrolle gibt es bereits an der Autobahnabfahrt Kaiserslautern, Kilometer vom eigentlichen Schauplatz des Geschehens entfernt. Dort stoppt die Polizei am Dienstagmorgen stichprobenartig Autofahrer und fragt freundlich, wohin es gehen soll. In der Kaiserslauterer Innenstadt herrscht wenig später Ausnahmezustand. Etwa 1000 Anhänger der rivalisierenden Rocker-Gangs Hells Angels und Outlaws sind angereist. Bis zum Landgericht kommen die meisten nicht durch. Dort müssen sich seit Dienstag zwei Hells Angels wegen Mordes an einem Regionalchef der Outlaws verantworten.

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Hunderte Polizisten sind an diesem Tag in der Stadt unterwegs, und das im größten Vorweihnachtstrubel. Mit rigiden Kontrollen wollen die Beamten verhindern, dass die beiden Gangs aneinandergeraten. Mehrere hundert Hells Angels versammeln sich in einer Straße vor einer Kneipe, streng bewacht von der Polizei. Ein paar hundert Meter weiter stehen ungefähr genauso viele Outlaws auf einem Platz zusammen. Immer wieder sind Sirenen von Blaulichtern zu hören. Erste Kontrollen sind erfolgreich: Rund 40 gefährliche Gegenstände stellt die Polizei bei den Rockern sicher, darunter auch Stichwaffen.

Der Platz um das Landgericht ist komplett abgeriegelt, wer ins Gebäude will muss sich extremen Überprüfungen unterziehen - nicht einmal der Präsident des Gerichts kommt um die Kontrolle herum. Selbst die Schuhe müssen Gerichtsbesucher ausziehen, auch sie werden nach Waffen durchsucht. Wer einmal im Gebäude ist, darf nur in Polizeibegleitung zu den Toiletten gehen.

Die Sicherheitskräfte wollen auf Nummer sicher gehen und weitere Rache-Taten zwischen Hells Angels und Outlaws verhindern. Auch der vor Gericht verhandelte Fall war letztlich ein Racheakt. Einer der Angeklagten war Ende Juni, wenige Tage vor dem Mord in Bad Kreuznach, mit einem Outlaw aneinandergeraten und verletzt worden. Mit zwei Komplizen pickte er sich ein paar Tage später mehr oder weniger willkürlich einen Outlaw heraus. Das Trio verfolgte und tötete den 45-Jährigen laut Anklage in der Nähe von Stetten im Donnersbergkreis. Ein weiterer Tatverdächtiger ist bis heute auf der Flucht.

Prozess nach einer Stunde vertagt

Mindestens bis März soll vor dem Landgericht unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen verhandelt werden. Die Outlaws haben bereits schriftlich erklärt, was sie von dem Verfahren erwarten: “Wir gehen davon aus, dass die Täter strafrechtlich voll zur Rechenschaft gezogen werden.“

Der Mordprozess selbst ist bereits eine Stunde nach dem Auftakt vertagt worden. Einer der Verteidiger stellte einen Antrag, in dem er dem Gericht unter anderem einen Besetzungsfehler im Falle einer beisitzenden Richterin vorwarf. Auch zweifelte er die Zuständigkeit der Kammer an. Das Gericht vertagte den Prozess auf den nächsten anberaumten Termin am 7. Januar. Dann soll auch über den Antrag entschieden werden.

dpa/ap

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