Porsche Hauptstadt Hamburg

Porsche verschleudert PS-Monster und Umwelt-Bomben: Abo statt Kauf – Hamburg im Protz-Auto-Wahn

Hamburg gilt als Porsche-Hauptstadt Deutschlands. Nirgends fahren mehr Autos des Herstellers pro Kopf durch die Straßen. Jetzt verschleudert der Hersteller seine PS-Monster auch noch per Abo. Alles nur ein PR-Gag oder steckt mehr dahinter?

  • Hamburg ist Deutschlands Porsche-Hauptstadt.
  • Autohersteller führt jetzt Abo-Service ein, um jüngere Käufer anzulocken.
  • Abo-Modelle sollen mittelfristig rund vierzig Prozent des Automarktes ausmachen.

Hamburg/Stuttgart – Wer einen Porsche möchte, kann sich die Fahrzeuge jetzt auch für wenige Monate in einem Abo holen. Ab 1.400 Euro pro Monat. Damit soll der Zugang zu den Fahrzeugen vereinfacht werden. In dem Preis sind – abgesehen von Betriebsstoffen wie Benzin, Öl oder Wischwasser – schon alle Kosten enthalten. Hamburg, die Hauptstadt der Porsche-Fahrer, könnte künftig von noch mehr PS-Monstern bevölkert werden.

FahrzeugherstellerPorsche
ZentraleStuttgart
CEOOliver Blume (1. Okt. 2015-)
Umsatz21,53 Milliarden EUR
GründerFerdinand Porsche
TochterunternehmenVolkswagen AG, Porsche Design, MHP Management- und IT-Beratung, Porsche Leipzig, Porsche Engineering

Porsche Abo statt Auto kaufen: So sollen sich junge Menschen wieder für Autos begeistern

Autos genießen nicht mehr den gleichen Stellenwert wie früher, wie eine Studie des Versicherers CosmosDirekt* ergeben hat. Vor allem bei jüngeren Menschen würden Führerschein und Auto an Bedeutung verlieren. Genau die glaubt der Autobauer mit seinem „Porsche Drive Abo“ jetzt aber einfangen zu können: „Insbesondere jüngere Zielgruppen besitzen nicht mehr zwingend selbst ein Auto, sondern wollen es je nach Lebenssituation und Anlass flexibel nutzen. Das Mobilitätsbedürfnis ändert sich je nach aktuellem Wohnort, dem Job oder auch den Plänen für den Sommer“, erklärt Alexander Pollich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Porsche Deutschland GmbH.

Porsche Modelle bereit zur Verladung in Bremerhaven.

Das Abo soll den Besitz eines Autos flexibler machen. Damit das gelingt, kümmert sich Porsche um all die Unannehmlichkeiten, die damit verbunden sind. Versicherung und Steuer, Haupt- und Abgasuntersuchung, Sommer- und Winterreifen, Wartungsarbeiten, Zulassungsgebühren und umfangreiche Versicherungsleistungen. All das sind im „Porsche Drive Abo“ Probleme, um die sich der Hersteller kümmert. Nicht wie sonst der Fahrer.

Porsche-Hauptstadt Hamburg: Nirgends fahren mehr SUV und Sportwagen der Marke als in der Hansestadt

Die Leistungen sind im Preis schon inbegriffen. Ab 1.400 Euro pro Monat soll der Service verfügbar sein. Je nach Modell. Keine gute Nachricht für Hamburg. Mit 9.046 Zulassungen im Jahr 2019 ist die Hansestadt gemessen an den Einwohnern (1,9 Millionen) die Porsche-Hauptstadt in Deutschland. Nirgends werden mehr der Luxus-Schlitten zugelassen.

Udo Lindenberg und Attila Hildmann fahren auf Porsche ab

Das könnte auch an den prominenten Fahrern liegen. So ist Udo Lindenberg* ein bekennender Porsche Fan. Als ein Dieb den Wagen aus der Tiefgarage des Hotel „Atlantics“ geklaut hatte*, sorgte das bundesweit für Schlagzeilen. Eine Rentnerin spürte den Porsche 911 in Ahrensburg auf. Auch Tim Mälzer* ist in einem SUV der Marke unterwegs. Porsche-Fans wie Attila Hildmann*, dessen 911er abgeschleppt werden musste*, scheinen dem Image der Marke nicht zu schaden.

Auto-Abo-Modelle sollen an Bedeutung gewinnen: Schon vierzig Anbieter

Das Problem bei der Beliebtheit: Für Porsche sind Sportwägen längst nicht mehr das Kerngeschäft. Von den 280.800 Fahrzeugen, die der Autobauer im Jahr 2019 verkauft hat, waren fast siebzig Prozent große Geländewagen. Der Porsche Macan (99.944 Stück) und der Cayenne (92.055) prägen mittlerweile das Bild der Marke. Nicht mehr der Porsche 911. Rechnet man den viertürigen Panamera (29.944 Stück) mit ein, fallen achzig Prozent der verkauften Porsche nicht in die KategorieSportwagen“, schreibt 24hamburg.de.

Bis in Jahr 2030 könnten Abo-Modelle, wie Porsche sie jetzt einführt, einen Marktanteil von bis zu vierzig Prozent haben, schätzt Ferdinand Dudenhöffer vom Duisburger CAR-Institut. In einer Studie fand das Institut heraus, dass sich 53 Prozent der befragten Autofahrer vorstellen könnten ein Auto zu abonnieren. Noch steckt diese Art der Service allerdings in den Kinderschuhen. Doch schon jetzt gibt es rund vierzig Anbieter dieses Service, wie das Portal „Digital Affin“ vorrechnet.  Auch 24auto.de hat sich schon den Abo-Modellen der Hersteller gewidmet.

Wem gehört Porsche?

Die Porsche AG, der eigentliche Fahrzeughersteller, gehört seit Dezember 2009 zum Volkswagen-Konzern. Vorausgegangen war eine gescheiterte Übernahme von Volkswagen durch Porsche, bei der Milliardenschulden bei Banken entstanden. Unabhängig von der Autoproduktion gibt es noch die Porsche Automobil Holding (kurz: Porsche SE). Sie hat mit der Autoproduktion nichts zu tun und ist eine Beteiligungsgesellschaft. Dieser Firma gehören 53,3 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen und 31,4 Prozent des gezeichneten Kapitals. * 24hamburg.de, *24auto.de und tz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Carmen Jaspersen/dpa/picture alliance

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