Peine: Unglückszug schon vor Kollision defekt

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In der Nacht auf Donnerstag sind auf der Strecke Braunschweig-Hannover zwei Züge zusammengestoßen.

Hannover - Ein Millionenschaden und 16 Verletzte sind die Bilanz des schweren Zugunglücks in Peine. Nun steht fest: Es gab schon vorab Hinweise auf einen Defekt.

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“Der Lok-Führer hat von der Bahn eine Fehlermeldung erhalten und den Güterzug in Braunschweig für eine visuelle Kontrolle gestoppt“, sagte der Geschäftsführer der Mittelweserbahn, Hans-Peter Kempf am Freitag auf DAPD-Anfrage. Ein Gang entlang des Zuges habe keine Anzeichen für einen Fehler ergeben. Bei der Weiterfahrt entgleisten in der Nacht zum Donnerstag mehrere Waggons des Zuges. Der Regionalexpress fuhr in sie hinein. Auch die Nachforschungen der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes (EUB) konzentrierten sich auf einen möglichen Defekt an den Güterwagen. Man habe die ursprünglich entgleisten Wagen sichergestellt. “Momentan konzentriert sich die Suche nach der Unfallursache auf die Waggons“, sagte EUB-Sprecher Ralph Fischer.

Schweres Zugunglück in Niedersachsen

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Bei dem Zugunglück am späten Mittwochabend wurden 15 Reisende leicht und der Lokführer des Regionalzuges schwer verletzt. Nach Angaben der Untersuchungsstelle bemerkten später im Bahnhof Peine Bahn-Mitarbeiter, dass einen Defekt an dem Zug gab. Die Bahn habe daraufhin den Lokführer angewiesen zu stoppen. “Mindestens ein Waggon des Zuges war da bereits entgleist“, sagte der EUB-Sprecher weiter. Der Zug sei mehrere Kilometer hinter dem Bahnhof beim Abbremsen in zwei Teile gerissen. Dabei seien entgleiste Waggons in den Bereich des Gegengleises geraten. Mit ihnen stieß kurz darauf der Regionalexpress zusammen.

Entgleiste Waggons nur gemietet

Für den technischen Zustand der entgleisten Waggons ist die Mittelweserbahn, die mit dem Güterzug Betonzuschlagstoffe transportierte, nach eigenen Angaben nicht allein verantwortlich. Die Waggons des Güterzuges habe man von der “Railpro“ gemietet, einer niederländischen Tochter des Stahlkonzerns Voestalpine. “Als Mieter der Waggons haben wir nur die Verantwortung für die kleine laufende Wartung“, sagte Geschäftsführer Kempf. Die Hauptverantwortung für den Zustand der Wagen liege beim Eigentümer An der Unfallstelle in Peine wurden unterdessen die Räumarbeiten mit Hilfe zweier großer Kräne fortgesetzt.

Nach Angaben der Bahn hievte ein Schienenkran mit 160 Tonnen Tragkraft nach und nach die sechs entgleisten und zertrümmerten Güterwaggons von der Strecke. Ein zweiter neben der Bahnstrecke in Stellung gebrachter Kran mit über 500 Tonnen Tragkraft sollte später die umgekippte E-Lok und zwei entgleiste Doppelstockwagen des Regionalzuges anheben. Die Reparatur der zerstörten Gleise und der Oberleitung werde voraussichtlicht bis Dienstag Dauern, sagte ein Bahnsprecher erneut. Solange bleibt die Bahnstrecke von Hannover nach Braunschweig in Peine unterbrochen. IC-Züge werden weiter über Wolfsburg umgeleitet. Im Nahverkehr setzt die Bahn zwischen Peine und Hämelerwald Busse ein.

dapd

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