Ostdeutschland bei nichtehelichen Kindern vorne

Wiesbaden - Weit mehr als die Hälfte aller Kinder aus Ostdeutschland haben eine unverheiratete Mutter. In Westdeutschland macht die Gesellschaft dem Trend einen Strich durch die Rechnung.

Mit einem Anteil von 57,8 Prozent nichtehelicher Kinder an allen Geborenen belegt damit Ostdeutschland einen Spitzenplatz in Europa, wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) am Dienstag auf Basis eines europaweiten Vergleichs mitteilte. Lediglich Island (64,1 Prozent) und Estland (59,1 Prozent) weisen eine noch höhere Nichtehelichenquote auf. In Westdeutschland dagegen liegt die Quote den Angaben zufolge sogar unter dem europäischen Durchschnittswert von 31,2 Prozent.

Hier wird nur jedes vierte Kind (25,8 Prozent) nichtehelich geboren, allerdings mit steigender Tendenz. Den Hauptgrund für die Ost-West-Unterschiede sieht Jürgen Dorbritz vom BiB in der gesellschaftlichen Akzeptanz: “Die nichteheliche Elternschaft ist in den neuen Bundesländern zur sozialen Normalität geworden.“ Weil das Zusammenleben ohne Trauschein als Lebensform anerkannt sei, hätten sich Eheschließungen und Geburten zunehmend entkoppelt. Mit der Häufigkeit nichtehelicher Geburten habe sich auch deren Charakter verändert, hob Dorbritz weiter hervor: Seien Schwangerschaften bei nichtverheirateten Frauen früher meist ungeplant gewesen, so würden sich heute viele ganz bewusst für den Nachwuchs außerhalb der Ehe entscheiden.

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Im europäischen Kontext offenbaren sich laut BiB weitere regionale Differenzen: So haben die Staaten in Nord- und Westeuropa tendenziell hohe Nichtehelichenquoten, während in Süd- und Osteuropa die niedrigsten Werte auftreten. Als Gründe für diese Entwicklung nannte das Institut die Versorgung mit Kinderbetreuungseinrichtungen, rechtliche Rahmenbedingungen sowie religiöse und gesellschaftliche Normen.

DAPD

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