Tod nach Kaiserschnitt: Ärzte-Trio vor Gericht

Gemünden - Wenige Stunden nach einem Kaiserschnitt ist eine 33-jährige Frau in Unterfranken verblutet - mehr als fünf Jahre danach müssen sich drei Ärzte an diesem Mittwoch vor dem Amtsgericht Gemünden verantworten.

Ein 50 Jahre alter Gynäkologe und ein 38 Jahre alter Assistenzarzt sind wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, ein Anästhesist wegen fahrlässiger Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung. Bei der 33-Jährigen war es nach dem problemlosen Eingriff im Dezember 2004 zu Komplikationen gekommen. Die Hausfrau, die im Krankenhaus in Karlstadt (Landkreis Main-Spessart) ein Mädchen entbunden hatte, hatte unter anderem stark geblutet. Laut Anklage erkannten die Ärzte nicht die lebensbedrohliche Situation, so dass die Frau schließlich verblutete.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Ärzten vor, ihre Patientin nicht ausreichend versorgt und zum Teil falsch behandelt zu haben. Die Angeklagten haben bisher alle Vorwürfe abgestritten und ihrerseits den Krankenschwestern Fehler vorgeworfen. Die schwangere Frau war am 17. Dezember 2004 in die Klinik überwiesen worden, weil der errechnete Geburtstermin bei ihr bereits mehrere Tage überschritten war. Einen Tag später führte der angeklagte Gynäkologe den Kaiserschnitt durch - mit Unterstützung des Assistenzarztes. Der ebenfalls angeklagte 50 Jahre alte Anästhesist war bei der Operation auch dabei.

Nach dem Kaiserschnitt war die junge Mutter auf die Wochenstation gekommen. Hier hatte sie wenig später angefangen, sehr stark zu bluten. Die Ärzte sollen alarmiert worden sein, sich aber nicht ausreichend um die Frau gekümmert haben. Die Mediziner hätten die 33-Jährige wegen des enormen Blutverlustes nach Ansicht der Staatsanwaltschaft rund um die Uhr überwachen lassen müssen. Stattdessen sollen sie die Frau pflichtwidrig den Nachtschwestern überlassen haben, die bereits mit anderen Patienten viel zu tun hatten. Dadurch konnte die junge Mutter nicht durchgängig überwacht werden. Der Zustand der Hausfrau soll sich von Stunde zu Stunde massiv verschlechtert haben, bis sie schließlich starb. Der Tod der Patientin war laut Anklage vermeidbar. Für den Prozess sind vier Verhandlungstage angesetzt.

dpa

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