Nach Wörz-Freispruch: Polizei räumt Pannen ein

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Harry Wörz (l.) nach der Urteilsverkündung.

Karlsruhe - Nach dem Freispruch von Harry Wörz vom Vorwurf des versuchten Totschlags an seiner Ex-Frau hat die Pforzheimer Polizei am Freitag erste Konsequenzen gezogen.

Der Pforzheimer Polizeibeamte, der nach dem Urteil des Mannheimer Landgerichts als neuer Hauptverdächtiger gilt, wurde in den Innendienst versetzt. Zudem räumte Polizeichef Burkhard Metzger erneut Ermittlungspannen ein.

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Die Staatsanwaltschaft will erst die schriftlichen Urteilsgründe prüfen und dann über mögliche Ermittlungen gegen den 50-jährigen Kommissar entscheiden. Das sagte Jürgen Gremmelmaier, kommissarischer Leiter der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe. Die Frist für die Vorlage des schriftlichen Urteils beträgt elf Wochen.

Das Landgericht Mannheim hatte am Donnerstag den Verdacht mit beispielloser Deutlichkeit auf den Pforzheimer Polizeibeamten gelenkt - den Geliebten der Polizistin, die im April 1997 mit einem Wollschal beinahe erdrosselt worden war.

In einer Mitteilung sprach Polizeichef Metzger von “Fehlern in der ersten Phase nach der Tat“. Der Tatort hätte versiegelt werden müssen, Tatverdächtige hätten früher festgenommen und die Ermittlungen von einer anderen Dienststelle übernommen werden müssen. Eine “Vorverurteilung“ des Kollegen wolle er aber nicht vornehmen, so Metzger.

Der 43-jährige Wörz aus Birkenfeld bei Pforzheim hat sich nach dem spektakulären Freispruch in dem mehr als zwölf Jahre dauernden Verfahren erst einmal zurückgezogen. “Es hat ihn doch sehr mitgenommen“, sagte sein Anwalt Hubert Gorka. Er werde wohl noch ein paar Tage brauchen, um das alles zu verarbeiten. “Er wünscht sich nichts mehr, als mit seiner Familie ein normales Leben zu führen.“ Nach Angaben des Anwalts kann Wörz für die vier Jahre und sieben Monate Haft, die er nach dem ersten Urteil im Gefängnis verbracht hat, mit einer Entschädigung von mehr als 40 000 Euro rechnen.

Rolf Glenz, Vorsitzender der Mannheimer Strafkammer, hatte beim Freispruch am Donnerstag den 50-jährigen Polizeikommissar als Hauptverdächtigen des Verbrechens genannt. “Die Kammer hält es für durchaus wahrscheinlich, dass er der Täter war.“ Zugleich hatte Glenz angekündigt, diesen Verdacht in der Urteilsbegründung ausführlich zu untermauern. Wörz war 1998 zu elf Jahren Haft verurteilt worden und wegen eines Wiederaufnahmeverfahrens vorzeitig entlassen worden.

Vor diesem Hintergrund will Gremmelmaier zunächst die Begründung abwarten. Falls gegen den Kommissar, der schon kurz nach der Tat zum Kreis der Verdächtigen gehört hatte, erneut ermittelt werde, werde man möglicherweise die Staatsanwaltschaft Karlsruhe mit den Ermittlungen betrauen und nicht die Außenstelle in Pforzheim. [Generalstaatsanwalt]: Stabelstraße 2, Karlsruhe dpa wj yyswb z2 sp

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