Mitgliederschwund bei katholischer Kirche

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Erzbischof Robert Zollitsch.

Fulda - Die katholische Kirche in Deutschland ist mit einem Mitgliederschwund konfrontiert. 120 000 Gläubige seien im Jahr 2008 aus der Kirche ausgetreten, sagte  Erzbischof Robert Zollitsch.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gab dies am Montag in Fulda zur Eröffnung der Herbstvollversammlung bekannt. Im Jahr zuvor waren nur etwas mehr 93 000 Austritte registriert worden.

Zum rapiden Anstieg erklärte Zollitsch: “Das ist schmerzlich für uns.“ Die Zahl der Kirchen-Eintritte lag mit 14 000 auf gleichbleibendem Niveau. Zollitsch rechnet mit zehn Prozent weniger Kirchensteuer-Einnahmen.

Der Bischofskonferenz-Vorsitzende betonte angesichts der Austrittswelle, Ursachenforschung betreiben zu wollen: “Wir werden der Frage nachgehen müssen.“ Zu den Gründen des Mitgliederschwundes könne er noch nichts sagen. Für 2009 sei die Entwicklung noch nicht genau absehbar. Bis Mitte des Jahres sei ein Einnahmen-Minus von zwei Prozent verzeichnet worden. Im Herbst und Winter rechnet Zollitsch jedoch mit mehr Arbeitslosigkeit aufgrund der Wirtschaftskrise und weniger Steuereinnahmen. In Deutschland leben mehr als 25 Millionen Katholiken, das sind 31 Prozent der Bevölkerung.

Wenige Tage vor der Bundestagswahl kritisierte der DBK-Vorsitzende die großen Parteien für ihren Wahlkampf. Sie hätten nicht ausreichend für die Gesellschaft wichtige Werte-Vorstellungen vermittelt. Ebenso habe er das Thema Bildung beim TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) und Kanzler-Kandidat Frank Walter Steinmeier ( SPD ) vermisst. Und: Der gewaltige, aus der Wirtschaftskrise erwachsene Schuldenberg dürfe nicht einfach der nächsten Generation überlassen werden: “Wir müssen an die denken, die nach uns kommen.“

Besorgt äußerte sich Zollitsch über die jüngsten Gewaltexzesse in Deutschland . Er fürchtet angesichts des S-Bahn-Mordes in München , dass sich die Bürger nicht mehr trauen könnten, Zivilcourage zu zeigen: “Das wäre das Schlimmste.“ Man müsse die Menschen ermutigen, sich zu Wort zu melden, wo Unrecht geschieht und Gewalt ausgeübt wird. Zu den Amokläufen von Ansbach und Winnenden sagte Zollitsch: “Es bleibt einem fast die Luft weg, wenn man an diese Situationen denkt, dass derart das Böse in Menschen stecken kann.“

Für die Gewalttaten habe er keine Erklärung, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz. Er warf die Frage auf, wie mit Killerspielen und Waffenbesitzern umzugehen sei. Eine Verschärfung des Strafrechts hält er nicht für sinnvoll. “Es geht darum, dass wir eine Atmosphäre schaffen, in der Gewalt keinen Platz hat und nicht vorkommt.“

Ein Schwerpunkt der bis Freitag dauernden Herbstvollversammlung sei die Auslandsseelsorge und das Engagement der deutschen Katholiken im Ausland. “Wir wollen darüber nachdenken, wie wir unsere weltkirchliche Arbeit noch verstärken können“, sagte Zollitsch, der sich selbst bei einer Nigeria-Reise einen Eindruck verschaff hatte. Es gehe im Ausland um die Verkündigung des christlichen Glaubens, Unterstützung bei der Gesundheitsvorsorge und Hilfen bei der Bildung.

dpa

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