Missbrauchsskandal: Massenaustritt der Gläubigen?

Hamburg - Die Missbrauchsfälle in Einrichtungen der katholischen Kirche verunsichern die Gläubigen. Noch will die Kirche nichts von Austritten wissen, doch die Zahlen sind noch unter Verschluss.

Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hat viele Gläubige verunsichert, aber bisher zu keiner Austrittswelle geführt. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa in einigen besonders betroffenen Bistümern in Deutschland.

Chronologie der Missbrauchsfälle

Chronologie der Missbrauchsfälle

“Es gibt schon heftige Reaktionen“, sagte der Sprecher des Bistums Würzburg, Bernhard Schweßinger. Anrufer seien teils aufgebracht und sehr emotional, betroffen, ratlos oder enttäuscht. Der Sprecher des Erzbistums Berlin, Stefan Förner, berichtete, die Reaktionen seien sehr gemischt: “Ein Teil der Kirchenmitglieder fordert, noch viel mehr über die Vorfälle zu sprechen. Andere sagen, es sei genug gesprochen worden, irgendwann müsse es auch wieder genug sein.“

Die Zahl der Kirchenaustritte ist nach bisher vorliegenden Informationen nicht gestiegen. “Bisher sind uns keine Austritte wegen des Missbrauchsskandals bekannt“, sagte der Pressesprecher des Erzbistums Hamburg, Manfred Nielen. Dies könne aber auch damit zusammenhängen, dass die austrittswilligen Katholiken sich beim Standesamt - andernorts beim Amtsgericht - melden müssen. “Diese Zahlen erfahren wir erst mit zeitlicher Verzögerung, meistens vier Wochen später.“

Sorge gilt den Opfern, nicht den Zahlen

In Augsburg und München ist die Zahl der Austritte aus den beiden großen christlichen Kirchen im Januar und Februar im Vergleich zu den Vorjahresmonaten sogar gesunken. In der zweitgrößten Diözese Deutschlands, Freiburg, gehen bei den Fachstellen deutlich mehr Anfragen ein. Viele Gläubige suchten nach Informationen über das Thema sexueller Missbrauch, sagte der Pressesprecher Robert Eberle. Auch die Internetseiten des Erzbistums, auf denen es viel Material dazu gebe, werden viel häufiger angeklickt als sonst.

Das Kölner Erzbistum kann noch nicht einschätzen, welche Auswirkungen die in den vergangenen Wochen aufgedeckten Missbrauchsfälle haben. “Natürlich wird überall über diese schlimmen Fälle diskutiert. Wir verzeichnen aber keine höheren Austrittszahlen, wir haben auch keine Mails oder Briefe erhalten, in denen solchen Austrittsabsichten mitgeteilt werden“, sagte Sprecher Christoph Heckeley. “Aus unserer Sicht gilt die erste Sorge den Opfern, dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt - und nicht den Zahlen.“

dpa

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