Mangelernährung bei jedem zweiten Altenheim-Bewohner 

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An Mangelernährung leiden viele Seniorenheimbewohner. Die Häuser selbst ergreifen dagegen Maßnahmen.

Witten - Das Risiko einer Mangelernährung droht jedem zweiten Altenheimbewohner. Das ist das Ergebnis einer Studie der  Universität Witten/Herdecke.

Grund sei, dass die Bewohner nicht ausreichend essen oder trinken könnten, weil sie etwa keinen Appetit hätten oder schwer krank seien. Über die Hälfte der Bewohner habe eine Demenz. Bei dieser Krankheit sei Mangelernährung nur mit größten Anstrengungen zu verhindern. Die Altenheime ergreifen der Studie zufolge bereits zahlreiche Maßnahmen: Sie legen etwa Wert auf Zwischenmahlzeiten und reichern das Essen der Bewohner energie- und eiweißreich an. An der Befragung nahmen den Angaben zufolge 73 Altenpflege-Einrichtungen mit rund 6.000 Bewohnern teil. In den Niederlanden werden solche Befragungen nach Angaben der Universität bereits seit 1998 regelmäßig durchgeführt. “Dort haben die Untersuchungen gezeigt, dass die langfristigen Beobachtungen die Pflegenden sensibilisieren“, sagte die Organisatorin der Tagung, Sabine Bartholomeyczik. „Das hilft schon sehr dabei, die Probleme frühzeitig zu verhindern.“ In Deutschland hinke man mit solche Studien hinterher, fügte die Professorin für Pflegewissenschaften hinzu. Es sei außerordentlich schwierig, pflegebedürftige alte Menschen angemessen zu ernähren. “Das liegt daran, dass die Pflege Kenntnisse benötigt, und dass Personal da sein muss, das auch Zeit hat.“ Daher kooperieren die Wittener Pflegewissenschaftler mit einer Forschergruppe der Universität Maastricht. „Gerade für die Altenpflege brauchen wir Daten, die auch von den Einrichtungen genutzt werden können, um an ihren Schwachstellen anzusetzen und ihre Stärken zu erkennen.“

Immer weniger Personal auf Pflegestationen

Nach einem Bericht von bild.de ist zudem der Ausbildungsstandard des Pflegepersonals oft so schlecht, dass sie eine Mangelernährung der Bewohner nicht frühzeitig erkennen können. „Nur etwa die Hälfte der Altenpfleger ist professionell ausgebildet“, wurde Expertin Bartholomeyczik zitiert. “Die anderen Helfer sind gering qualifizierte Hilfskräfte.“ Der Mitautor der Studie, Sven Reuther, betonte dem Bericht zufolge, die schlechte Betreuung der Bewohner werde auch durch immer weniger Personal in den Pflegestationen begünstigt: “Da wird vieles einfach übersehen.“

ap

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