BKA: Keine Daten absichtlich gelöscht

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Die Daten des Mobiltelefons von André E. (M.) sollen gelöscht werden sein.

Berlin - Das Bundeskriminalamt hat den Vorwurf, absichtlich Daten zur rechten Zwickauer Terrorzelle gelöscht oder manipuliert zu haben, von sich gewiesen.

Das Bundeskriminalamt (BKA) wehrt sich gegen den Vorwurf, bei den Ermittlungen zur rechten Zwickauer Terrorzelle absichtlich Beweismittel vernichtet zu haben. Seine Behörde habe weder Material “unterdrückt, noch manipuliert, noch vernichtet“, sagte der BKA-Präsident, Jörg Ziercke, am Sonntag. Nach einem Bericht der “Bild am Sonntag“ soll das BKA heimlich Daten eines sichergestellten Mobiltelefons des mutmaßlichen Terrorhelfers André E. gelöscht haben. Das Innenministerium und mehrere Politiker verlangten Aufklärung.

Die Löschaktion soll laut “Bild am Sonntag“ am 8. Dezember vergangenen Jahres durch einen IT-Experten der Bundespolizei auf Bitten einer BKA-Mitarbeiterin erfolgt sein. Die Datenauswertung sei dann jedoch nicht zu den Ermittlungsakten genommen und damit den Justizbehörden vorenthalten worden, schreibt die Zeitung. In dem Bericht werden zudem nicht näher benannte Polizeiexperten aufgeführt, die es den Angaben zufolge für möglich halten, “dass das BKA Informanten im Umfeld der Neonazi-Bande schützen will“.

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Die Reaktion aus der Politik kam prompt: “Es kann ja wohl nicht sein, dass die Behörde, die am lautesten nach Vorratsdatenspeicherung ruft, jetzt absichtlich Verbindungsdaten gelöscht hat, die mithelfen sollten ein Verbrechen aufzuklären“, sagte der Obmann der FDP im NSU-Untersuchungsausschuss, Hartfrid Wolff. Das BKA habe sich da “ins eigene Knie geschossen“. Linke-Politikerin Petra Pau erklärte: “Die große Aufklärung war versprochen. Nun riecht es nach großer Vertuschung.“

Zudem schreibt die “Bild am Sonntag“ unter Berufung auf einen Sprecher des Bundesinnenministeriums, dass Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche “eine umfassende Erklärung durch die Amtsleitung des BKA angefordert“ habe. Auch Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sei alarmiert, heißt es in dem Bericht.

BKA weist Vorwürfe entschieden zurück

Das BKA reagierte empört: “Dieser Vorwurf ist absurd“, heißt es in einer Mitteilung der Sicherheitsbehörde. Alle in der Berichterstattung der “Bild am Sonntag“ vorgenommenen “Mutmaßungen und getroffenen Schlussfolgerungen“ seien unzutreffend. Seine Behörde schützte “weder Neonazis noch Informanten aus der rechten Szene“, betonte Ziercke.

Nach Übergabe der Daten an das BKA sei die Bundespolizei um Löschung der dort noch als Kopie vorhandenen Daten gebeten worden, um in diesem sensiblen Ermittlungsverfahren die Datenbestände an einer Stelle zu konzentrieren, heißt es in der Mitteilung. Dies sei in völligem Einvernehmen mit der Bundesanwaltschaft erfolgt. Insofern sei der Vorwurf einer “Nacht-und-Nebel-Aktion“ und die Vermutung, Daten würden dem Generalbundesanwalt vorenthalten, nicht haltbar. Die zuständige BKA-Mitarbeiterin stehe im übrigen “als Zeugin der Maßnahme - auch für ein mögliches gerichtliches Verfahren - uneingeschränkt zur Verfügung.“

dpa

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