Krankheitswelle kommt

Mehr Tote durch Grippe als durch Tumorerkrankung: Mediziner haben wichtige Empfehlung

Wer an Grippe erkrankt ist, dem kann es ganz schön mies gehen. Foto: picture alliance

Langsam startet die Grippesaison: Mediziner raten zur Impfung aus einem ernsten Grund.

Bad Homburg - Die Tröpfchen mit den Viren können weite Strecken zurücklegen - mindestens über einen Tisch hinweg. Und auf glatten Oberflächen, etwa einem Türgriff, können sie bis zu 36 Stunden ausharren. Wer dann danach greift, kann sich gegebenenfalls mit Grippe infizieren.

Grippe, das ist keine bloße Erkältung - darauf weist die Medizinische Gesellschaft Bad Homburg jetzt in einer Aktion hin. Der Zusammenschluss aus Ärzten und Apothekern aus der Kurstadt und Umgebung hat 150 Mitglieder; am Mittwochabend (16.10.2019) erfahren sie auf einer Fachtagung in der Englischen Kirche mehr über die akut anrollende Gefahr. Über die Arztpraxen und Apotheken werben sie dafür, dass sich Bürger regelmäßig gegen Grippe impfen lassen. Denn die Zahlen der erkrankten Menschen sind erschreckend.

Grippe-Impfung: Ältere sind besonders gefährdet

Vergangene Saison seien laut Robert-Koch-Institut (RKI) rund 270.000 Menschen in Deutschland an Influenza (Grippe) erkrankt, berichtet Dr. Christoph Zekorn, Internist aus Bad Homburg, wobei das RKI von einer hohen Dunkelziffer ausgehe. 2018 habe es mehr als 25.000 Todesfälle gegeben. "Mehr als an Tumor-Erkrankungen", so Zekorn. Besonders gefährdet seien über 65-Jährige, zumal zwei Dritte von ihnen durch chronische Erkrankungen vorgeschädigt seien.

Doch müssen sich keineswegs nur ältere Menschen Gedanken machen. Hausärztin Daniela Walenzyk hatte im vergangenen Winter viele jüngere Menschen mit Grippe in ihrer Homburger Praxis. "Zwei mussten auf ins Krankenhaus auf die Intensivstation." Jüngere Leute besäßen weniger Sensibilität, sich impfen zu lassen, hat die Medizinerin beobachtet. "Jugend schützt vor schweren Verläufen nicht", ergänzt Zekorn.

Vollständige Genesung nach einer Grippe erst nach Wochen

Man kann auch Grippe haben, wenn man keine Symptome verspürt. Manche Erkrankte haben Kopf- und Gliederschmerzen, Halsweh, Husten und Schnupfen. Da können bereits Anti-Erkältungs-Medikamente und ein paar Tage Bettruhe Linderung bringen. Doch es gibt auch besagte schwere Verläufe, wie Zekorn schildert: "Hohes Fieber, heftigste Gliederschmerzen und Schüttelfrost, die zwei Wochen andauern." Richtig gesund werden diese Patienten erst nach sechs bis acht Wochen. 

Eine Krankschreibung befreit von der Arbeit. Doch wie bekommt man sie, wenn eigentlich keine gesundheitlichen Probleme zu beklagen sind. Ein Hausarzt verrät es.

Schwerste Fälle kommen gar ins Krankenhaus auf die Intensivstation. Was das für den Klinikalltag bedeutet, schildert Jörg Höer, Chirurg und Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie an den Hochtaunus-Kliniken. Eine Pflegekraft, die mit Grippepatienten zu tun hat, müsse sich Hunderte Male 20 Sekunden lang die Hände waschen. "Das bindet sie zeitlich - bei mehreren Erkrankten kommen wir dann schnell ans Limit."

Die Mediziner, unterstützt durch den Kurdirektor und den Homburger Oberbürgermeister, werben dafür, sich in den nächsten Wochen beim Hausarzt impfen zu lassen. In den meisten Fällen trage dies die Krankenkasse. "Noch gibt es Impfstoff", fügt Doris Schartmann, Besitzerin der Hof-Apotheke auf der Louisenstraße, hinzu.

Grippe verhindern: Regelmäßig Hände waschen

Das Serum könne nicht nur vor Grippe schützen, so Zekorn. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten auch gezeigt, dass eine Impfung die Wahrscheinlichkeit senkt, einen Schlaganfall zu bekommen. Sie senke zudem die Rate der Herzinfarkte. "Eine Grippe-Impfung ist besser als so manches Medikament, das gegen Gefäßerkrankungen verabreicht wird", so Zekorn.

Natürlich gebe es Menschen, die sich impfen lassen und daraufhin krank werden. Das passiere, aber dann hätten sie schon etwas in sich gehabt. Da das Serum ein Totimpfstoff sei, könne man daran nicht ursächlich erkranken, betont Ärztin Walencyk, die auch Vorsitzende des Praxisnetzes Hochtaunus ist.

Werde ich gekündigt, wenn ich lange oder oft krank bin? Diese Angst haben viele Arbeitnehmer. Tatsächlich droht eine Kündigung wegen Krankheit nur in bestimmten Fällen.

Am besten jedoch ist Vorsorge, damit man sich gar nicht erst ansteckt. Also regelmäßig Hände waschen, gegebenenfalls desinfizieren und Abstand von hustenden oder schniefenden Menschen halten. Die Viren dringen über die Schleimhaut von Mund, Nase und auch Augen sowie die Lunge in den Organismus ein. Und können, wie erwähnt, lange Wege zurücklegen.

Im Hochtaunuskreis haben sich im vergangenen Jahr mehr Beschäftigte krank gemeldet als noch im Jahr zuvor. Dies geht aus dem DAK-Gesundheitsreport für das vergangene Jahr hervor, der gestern vorgestellt wurde. Die Ausfalltage wegen Krankheit nahmen um 0,2 Prozent zu. Mit 3,8 Prozent liegt der Krankenstand in den beiden Landkreisen jedoch niedriger als im Landesdurchschnitt mit 4,3 Prozent.

Niedriger Krankenstand im Hochtaunuskreis

Der niedrige Krankenstand im Hochtaunuskreis wird hessenweit nur noch von Frankfurt mit 3,7 Prozent getoppt. Dies liege jedoch vor allem daran, dass in der Mainmetropole vorwiegend Pendler arbeiten, die außerhalb wohnen, wo sie sich auch krank melden, erklärt Norbert Hissting, Chef des DAK-Gesundheit in Hofheim.

Die meisten Beschäftigten meldeten sich im vergangenen Jahr wegen Husten, Schnupfen, Heiserkeit und Bronchitis krank. Die aktuelle Analyse der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) zeigt, dass die Fehltage aufgrund von Atemwegserkrankungen 2018 gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent angestiegen ist. Fast jeder fünfte Ausfalltag geht auf eine Atemwegserkrankung zurück, die in der Region mit einem Anteil von fast 19 Prozent am gesamten Krankenstand den ersten Platz belegt.

Allerdings fehlten dafür weniger Berufstätige wegen Rückenschmerzen. Die als Muskel-Skelett-Erkrankungen definierten Beschwerden rangieren mit einem Anteil von knapp 17 Prozent auf Platz zwei und gingen 2018 um fünf Prozent gegenüber 2017 zurück. Mit 16 Prozent am gesamten Krankenstand nehmen die psychischen Erkrankungen den dritten Platz ein. Dabei blieben die Fehltage laut Gesundheitsreport auf dem Niveau des Vorjahres. Ihr Anteil am gesamten Krankenstand beträgt rund 16 Prozent.

Zehn Prozent der Arbeitnehmer sind zigarettenabhängig

Erstmals wurde in dem aktuellen Gesundheitsreport - allerdings nur auf Landesebene - auch untersucht, wie viele Erwerbstätige in Hessen mit gravierenden gesundheitlichen Problemen durch Alkohol, Zigaretten und Computerspiele zu kämpfen haben. Das Fazit: Arbeitnehmer mit Hinweisen auf eine so genannte Substanzstörung haben in Hessen deutlich mehr Fehltage im Job als ihre Kollegen ohne auffällige Probleme. Der Krankenstand der Betroffenen ist mit 7,9 Prozent fast doppelt so hoch.

Die Erkrankten fehlen aber nicht nur, weil sie wegen ihrer Suchtproblematik krankgeschrieben sind, vielmehr zeigen sich bei den verschiedenen Krankheitsbildern mehr Fehltage. Besonders deutlich sei dies laut Gesundheitsreport bei den psychischen Leiden der Fall, hier seien es viermal so viele Erkrankungen. Bei Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen sind die Ausfalltage fast doppelt so hoch, bei Atemwegserkrankungen sind es 40 Prozent mehr. Der Großteil der direkten Krankmeldungen bei Suchtproblemen ist in Hessen auf Alkohol (75 Prozent) zurückzuführen.

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Das Rauchen ist laut DAK-Report die verbreitetste Sucht, die auch die Arbeitswelt betrifft, da fast jeder zweite Raucher auch während seiner Arbeitszeit pafft, also außerhalb der Arbeitspausen. Zehn Prozent der Beschäftigten sind zigarettenabhängig. Unter den jungen Erwerbstätigen zwischen 18 und 29 Jahren gibt es mit 16,3 Prozent den geringsten Anteil, bei den 60- bis 65-jährigen Berufstätigen raucht fast jeder Vierte. 

Die Geburt ihres Kindes überlebte eine junge Mutter in Frankfurt nicht. Wegen des hohen Blutverlusts kollabierte ihr Kreislauf. Hätte ihr Tod verhindert werden können?

ulk

Laut Meteorologe Dominik Jung naht der erste Temperatursturz des Jahres. In Kürze könnte in Höhenlagen demnach der erste Schnee fallen. 

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