Tödliche Trinkwette: Wirt muss ins Gefängnis

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Der Angeklagte im Geritssaal.

Berlin - Wegen eines tödlichen Wetttrinkens mit einem 16-jährigen Jugendlichen ist ein Berliner Kneipenwirt zu drei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt worden.

Das Berliner Landgericht befand den 28-jährigen am Freitag der Körperverletzung mit Todesfolge für schuldig. Der Angeklagte hatte dem Gymnasiasten Ende Februar 2007 mehr als 45 Gläser Tequila serviert, selbst aber überwiegend Wasser statt Schnaps getrunken.

Der Schüler war mit 4,4 Promille im Blut ins Koma gefallen und fünf Wochen später im Krankenhaus gestorben. Unmittelbar vor dem Urteil entschuldigte sich der Angeklagte und sprach der Mutter des verstorbenen Jungen sein Beileid aus: “Es tut mir sehr, sehr, sehr leid“, sagte er. Die Tragweite seines Tuns sei ihm nicht bewusst gewesen.

Der Fall hatte bundesweit Entsetzen und eine Debatte über Alkoholexzesse bei Jugendlichen ausgelöst. Das betreffende Lokal wurde inzwischen geschlossen. Allein in der Hauptstadt hat die Polizei in diesem Jahr bis Ende Mai rund 920 betrunkene Kinder und Jugendliche aufgegriffen.

Mutter des Opfers hofft, dass der Fall andere aufrüttelt

Der Wirt habe ohne große Bedenken Hochprozentiges an sehr junge Gäste ausgeschenkt, urteilte das Gericht. Zwei junge Leute, die eine Strichliste geführt und den Schnaps serviert hatten, wurden bereits zu jeweils zehn Monaten Sozialtraining verurteilt. Die Mutter des Schülers, der öfter Alkohol trank, hatte von dem Wetttrinken nichts geahnt. Die Berlinerin hoffte, dass der Tod ihres Sohnes aufrüttelt und zu stärkeren Kontrollen führt.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD) forderte, die Gesetze zum Jugendschutz besser umzusetzen. Es sei aber vertretbar, dass Bier, Wein und Sekt ab 16 Jahren zugelassen sind, sagte Bätzing im Bayerischen Rundfunk. Das Gericht verurteilte den Wirt auch wegen vorsätzlichen Ausschanks an Minderjährige. 

ap/dpa

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