Kliniken befürchten Millionen-Verluste durch EHEC-Krise

Berlin - Rund sieben Wochen nach dem Ausbruch der EHEC-Epidemie in Deutschland befürchten die Kliniken, auf einem Großteil der zusätzlichen Kosten sitzen zu bleiben.

Der GKV-Spitzenverband wies diese Bedenken am Mittwoch allerdings entschieden zurück. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich in einem dapd-Interview in Berlin für eine Deckung der Zusatzkosten aus den Rücklagen des Gesundheitsfonds aus. Derweil hob Russland sein Embargo für Gemüse-Importe aus der Europäischen Union auf.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum , sagte, “die durch die zahlreichen Erkrankungen entstandenen Kosten sind deutlich höher, als das, was konventionell erstattet wird“. Zwar sei die Höhe der durch die Epidemie entstandenen Zusatzkosten noch nicht bilanzierbar. Es gebe aber bereits eine große Kluft im System zwischen der Höhe der erhaltenen Vergütungen und den tatsächlich zu bewältigenden Kosten durch die Krankenhäuser. Die nicht geplanten Kosten für Behandlungen würden über das derzeitige Vergütungssystem “absolut unzureichend abgedeckt“, kritisierte er.

GKV: Kein Krankenhaus bleibt auf Kosten sitzen

Die Sprecherin des GKV-Spitzenverbands Ann Marini, sagte dagegen: “Kein Krankenhaus, das sich um schwer erkrankte EHEC- und HUS-Patienten kümmert, muss Sorge haben, auf den zusätzlichen Kosten sitzen zu bleiben.“ Alle Krankenhausleistungen würden bezahlt. Marini zufolge haben bereits erste Gespräche über eine finanzielle Lösung zwischen den einzelnen betroffenen Krankenhäusern und Krankenkassen in den Regionen begonnen. “Wir sind zuversichtlich, dass sich in jeweils betroffenen Regionen eine einvernehmliche Lösung finden lässt“, sagte sie der dapd.

SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach sagte, der Gesundheitsfonds habe erhebliche Überschüsse erwirtschaftet und aus diesen Überschüssen sollten die durch die Krise entstandene Kosten in voller Höhe auf Nachweis erstattet werden.

Aigner und Bahr sind mit EHEC-Krisenmanagement zufrieden

Die Bundesregierung bewertete den Umgang der Behörden mit der Epidemie als positiv. Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) und Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zeigten sich “sehr zufrieden“ mit der Zusammenarbeit ihrer Ressorts und der weiteren zuständigen Stellen, wie Regierungssprecher Steffen Seibert sagte. Trotzdem werde es eine “Nachbetrachtung der Strukturen“ geben. So sollten etwa die Meldewege überprüft werden.

Die Zahl der EHEC-Neuerkrankungen in Deutschland geht unterdessen immer weiter zurück. Von Montag auf Dienstag wurden nach Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) lediglich 14 neue Fälle übermittelt worden. Seit Ausbruch der Epidemie Anfang Mai sind den Angaben zufolge damit bundesweit 3.601 Personen an EHEC oder HUS erkrankt. Insgesamt registrierte das RKI 39 Todesfälle in Deutschland im Zusammenhang mit dem gefährlichen Darmkeim.

Frankfurter Gemüsehof nach EHEC-Fund wieder freigegeben

Ab sofort darf Gemüse aus der EU wieder nach Russland eingeführt werden, wenn die Hersteller nachweisen können, dass ihre Produkte frei von EHEC-Keimen sind, wie die EU-Kommission mitteilte. Am 30. Mai hatte Russland zunächst ein Einfuhrverbot für Frischgemüsesorten aus Deutschland und Spanien verhängt und später auf die gesamte EU ausgeweitet.

In Frankfurt am Main darf nach Angaben des Landesverbraucherschutzministeriums ein nach einem EHEC-Fund gesperrter Gemüsehof inzwischen wieder öffnen. Auf dem Hof waren Mitte Juni EHEC-Keime in Salat und Waschwasser gefunden worden. Dabei handelte es sich den Angaben zufolge aber nicht um den gefährlichen EHEC-Keim O104:H4.

dapd

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