Kirchentags-Bilanz: "Der Ökumene ein neues Gesicht gegeben"

+
Tausende Gläubige verfolgen die zentrale Ökumenische Feier zum 2. Ökumenischen Kirchentag auf dem Odeonsplatz in der bayerischen Landeshauptstadt am Donnerstag.

München - Vertreter der beiden großen Kirchen haben den 2. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in München als wichtigen Impulsgeber und eindrucksvolles Zeichen des Glaubens gewürdigt.

“Der Kirchentag hat der Ökumene ein neues Gesicht gegeben“, sagte der evangelische ÖKT-Präsident Eckhard Nagel am Samstag. Der katholische ÖKT-Präsident Alois Glück betonte: “München hat gezeigt: Die Ökumene ist wetterfest.“ Mit einem großen Schlussgottesdienst unter freiem Himmel geht das fünftägige Treffen an diesem Sonntag zu Ende. Es stand unter dem Leitwort: “Damit ihr Hoffnung habt“.

In Zeiten der Verunsicherung habe der Kirchentag wichtige Botschaften der Ermutigung, der Stärkung und des Trostes gegeben, sagte Nagel. Die Teilnehmer hätte sich nirgendwo zu vereinfachenden Antworten hinreißen lassen - auch nicht in der Debatte über die Missbrauchsaffäre der katholischen Kirche. Glück würdigte das Treffen als “großartiges ökumenisches Ereignis“, von dem ein neuer Schub zur Einheit der Kirchen ausgehen werde. Die Missbrauchsaffäre sei vom Kirchentag aufgegriffen worden, aber angesichts auch anderer wichtiger Themen habe sie das Treffen nicht überschattet. “Der gutes Geist des Dialoges ist überall spürbar gewesen.“

Kirchentag in München

Kirchentag in München

 

Die beim Kirchentag gelebte Gemeinschaft über Konfessionsgrenzen hinweg mache Mut, betonte auch der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch. In München sei die bunte Vielfalt des Glaubens sichtbar geworden. Zollitsch bekräftigte: “Es gibt für mich keine Alternative zur Ökumene.“ Selbstverständlich habe auch die Missbrauchsthematik angesprochen werden müssen, sie werde die Kirche weiter beschäftigen.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zeigte sich mit der kirchlichen Aufarbeitung der Missbrauchsfälle zufrieden. “Es ist einiges in Bewegung geraten, da zeigt sich, dass die Kirche wirklich etwas verändern will“, sagte sie beim Kirchentag.

Positiv hob auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der rheinische Präses Nikolaus Schneider, die Impulse durch den Kirchentag hervor. Gleichzeitig unterstrich er die Sehnsucht der Protestanten nach dem von Rom verweigerten gemeinsamen Abendmahl mit den Katholiken. Die gemeinsame, am orthodoxen Ritus orientierte Feier vom Freitagabend mit gesegneten Broten an 1000 Tischen könne deshalb in der Abendmahlsfrage nur als Vorspeise verstanden werden: “Das Hauptgericht steht sozusagen noch aus.“

Zollitsch sagte dazu: “Ich verstehe die Sehnsucht, ich verstehe die Ungeduld.“ Dennoch mahnte er Geduld an, denn Fortschritte in der Abendmahlsfrage müssten theologisch sorgfältig vorbereitet sein. Mit einer Menschenkette demonstrierten katholische Reformgruppen am frühen Samstagabend in der Münchner Innenstadt für ein gemeinsames Abendmahl mit den Protestanten. Knapp 2000 Menschen gaben einander die Hände, um ein Zeichen für die Mahlsgemeinschaft zu setzen.

Zu dem fünftägigen Kirchentag waren nach Angaben der Veranstalter rund 133 000 Teilnehmer mit Dauerkarten angereist. An Gottesdiensten, Bibelarbeiten und Diskussionsrunden nahmen zusätzlich noch jeweils rund 11 000 Tagesgäste teil.

Mit Blick auf die Finanzkrise sagte der Münchner Erzbischof Reinhard Marx bei einem ÖKT-Forum, die Menschen hätten sich dem Turbo-Kapitalismus nicht entschlossen genug widersetzt. Der Kapitalismus habe zur Ideologie geführt, dass die Märkte nicht mehr zu bremsen seien. Und die Menschen hätten geglaubt, sich dem entfesselten Kapitalismus anpassen zu müssen, sagte Marx am Samstag.

Auch die Lage in Afghanistan beschäftigte den Kirchentag. Während der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz (CDU), den Bundeswehr-Einsatz dort und dessen Verlängerung verteidigte, verlangte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen eine konkrete Rückzugsperspektive für die deutschen Soldaten.

Am Samstagabend stand als einer der letzten musikalischen Höhepunkte des Kirchentages ein Open-Air-Konzert auf der Theresienwiese mit der deutschen Sängerin Nena auf dem Programm.

ÖKT-Veranstalter sind die beiden großen Laienorganisationen, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und der Deutsche Evangelische Kirchentag (DEKT). Nagel und Glück äußerten die Erwartung, dass es 2017 ein Folgetreffen geben wird. Der 1. Ökumenische Kirchentag hatte 2003 in Berlin stattgefunden.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare