Kinderfänger verbreiten Angst in Brandenburg

Cottbus/Potsdam - In Brandenburg kam es in mehreren Fällen beinahe zu Kindesentführungen. Unbekannte sprechen Mädchen und Jungen einfach auf der Straße an. Die Polizei hat nur wenige Anhaltspunkte.

In Brandenburg herrscht Angst vor Kinderfängern. Unbekannte sprechen seit einiger Zeit vermehrt Kinder auf verdächtige Art und Weise an - in einigen Fällen wäre es fast zu Entführungen gekommen. Die Polizei zählte dieses Jahr rund 60 Fälle, in denen sich Unbekannte Mädchen und Jungen auffällig genähert haben. Seit September sei die Zahl sprunghaft gestiegen.

Täter in die Flucht geschlagen

Erst am Samstag war eine Achtjährige in Friedersdorf beinahe entführt worden. Ihre nur drei Jahre ältere Begleiterin verhinderte nach Polizeiangaben die Tat: Sie wehrte sich lautstark, warf einen Stein in die Frontscheibe des Wagens und schlug den Täter damit schließlich in die Flucht.

Im aktuellen Fall wird daher verstärkt Hinweisen auf beschädigte weiße Transporter nachgegangen, wie die Polizei am Montag in Cottbus mitteilte. Ermittelt wird demnach wegen Nötigung und versuchter Freiheitsberaubung. Der Unbekannte hatte versucht, die Achtjährige gewaltsam in sein Fahrzeug zu zerren.

Der Versuch misslang - nicht zuletzt wegen des beherzten Eingreifens der Elfjährigen. Auch in den anderen Fällen, in denen Kinder in Brandenburg angesprochen wurden, sei keines in ein Fahrzeug gestiegen, hieß es bei der Polizei. Eine Sprecherin des Präsidiums in Potsdam betonte, dass es sich keinesfalls in allen der rund 60 Fälle um gescheiterte Kindesentführungen gehandelt habe.

Falschmeldungen über weiße Transporter

Dass mehrfach ebenfalls ein weißer Transporter eine Rolle gespielt haben soll, habe sich nicht bestätigt, hieß es. In sozialen Netzwerken im Internet kursieren Warnungen vor Unbekannten, die aus weißen Transportern heraus Kinder ansprechen und auffordern einzusteigen, weil der Schulbus defekt sei. Ein aus Bayern geschilderter Fall habe sich jedoch als Falschmeldung entpuppt.

Die Brandenburger Polizei distanzierte sich von den Kettenbriefen mit solchen Warnungen. Sie verunsicherten die Eltern und Kinder. Man nehme aber jeden Hinweis “sehr ernst“ und gehe jedem Einzelfall “mit Hochdruck“ nach, hieß es.

Erst im Oktober hatte ein Zwölfjähriger in Treuenbrietzen mit Schlägen und Tritten seine mögliche Entführung verhindert. In diesem Fall sucht die Polizei nach einem etwa 50 Jahre alten Mann in einem Opel älterer Bauart.

Hinweise auf den Täter

Im aktuellen Fall der Achtjährigen in Friedersdorf sucht die Polizei einen zwischen 1,75 und 1,80 Meter großen Mann, er hat braunes Haar und trug zur Tatzeit eine schwarze Mütze. Der Mann habe Deutsch mit deutlichem Akzent gesprochen. Sein Kleintransporter soll dem Volkswagen T 4 ähneln.

dpa

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