Hersteller nehmen Chemie-Schnuller vom Markt

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Laut BUND wiesen alle zehn in einer zufälligen Stichprobe ausgewählten Schnuller in den Kunststoffschildchen BPA auf, sechs von ihnen auch in den Saugteilen.

Frankfurt/Main - Als Konsequenz aus der Warnung vor Chemikalien-belasteten Baby-Schnullern wollen mehrere Hersteller und Verkaufsstellen die Produkte aus dem Programm nehmen.

Die Hersteller Mapa (NUK), Novatex (Baby-Nova) und dm (Babylove) kündigten an, bis zum Jahreswechsel auf Produkte zu verzichten, die die Substanz Bisphenol A enthalten, wie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) am Dienstag mitteilte. Die Handelsketten Kaufland und Schlecker wollten die kritisierten Produkte aus ihrem Sortiment nehmen.

Der BUND hatte im Oktober eine Studie präsentiert, derzufolge viele Schnuller mit der hormonell wirksamen Chemikalie Bisphenol A (BPA) belastet sind.Der Plastikgrundstoff steht im Verdacht, Unfruchtbarkeit, Schädigungen der Gehirnentwicklung und Brustkrebs hervorzurufen.

Laut BUND wiesen alle zehn in einer zufälligen Stichprobe ausgewählten Schnuller in den Kunststoffschildchen BPA auf, sechs von ihnen auch in den Saugteilen. BPA ist einer von mehreren Rohstoffen, die zur Herstellung von Polycarbonat (PC) verwendet werden. Er zählt weltweit zu den meistproduzierten Stoffen und kommt in CD-Hüllen und Plastikbaustoffen ebenso vor wie in Dosen, Kunststoffflaschen und anderen Lebensmittelverpackungen.

Während die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) BPA für unbedenklich hält, warnen Forscher immer wieder in Studien vor möglichen Gesundheitsgefährdungen. In mehreren Ländern ist bereits ein teilweises Verbot im Gespräch. Kaufland kündigte an, den von dem Unternehmen vertriebenen BPA-haltigen Schnuller “bis zur Klärung der Sachlage aus dem Verkauf zu nehmen“.

Das Institut für Risikobewertung sei eingeschaltet, sollte es feststellen, dass keine Gesundheitsgefährdung vorliegen, “behält sich die Kaufland-Gruppe vor, den Artikel wieder anzubieten“. Mapa erklärte, NUK werde bis zum Jahresende auf den Einsatz von PC in allen Schnullern seines Sortiments verzichten.

Auch der Hersteller Novatex teilte mit, man habe sich schon vor einigen Monaten dazu entschlossen, das komplette Programm auf Bisphenol-A-freie Artikel umzustellen. Die Umstellung soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

Umstellung bis zum Jahresende

dm kündigte laut BUND an, einen Teil des Schnullersortiments werde ab November ohne BPA angeboten, der Rest solle Anfang 2010 folgen. Der Hersteller MAM bietet nach eigenen Angaben bereits seit drei Jahren nur Babyartikel aus dem Kunststoff Polypropylen an, der nachweislich BPA-frei sei.

“Wir freuen uns über dieses prompte Handeln, denn nur so lassen sich die Risiken für Säuglinge und Kleinkinder künftig ausschließen“, erklärte BUND-Chemieexperte Heribert Wefers. Die Organisation forderte die Bundesregierung auf, BPA in Babyartikel und in Produkten, die Kontakt mit Lebensmitteln haben, generell zu verbieten. Die Handelskette Schlecker äußerte sich laut BUND nicht dazu, ob die Produktion der Eigenmarke Babysmile künftig umgestellt wird.

In den Schlecker-Filialen seien die Schnuller aber aus den Regalen genommen worden. Schlecker war für eine Bestätigung zunächst nicht zu erreichen. Der BUND kritisierte, der Hersteller des Schnullers mit der höchsten Belastung (Avent), Philips, habe bisher keine Umstellung angekündigt. Eine Philips-Sprecherin sagte dazu, man werde “künftig zunehmend auf Produkte ausweichen, die ohne BPA auskommen“. Einen Zeitpunkt nannte sie nicht, die Umstellung werde aber “in abesehbarer Zeit“ passieren.

AP

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