Haftstrafe wegen Tötung von Zwillingsbabys

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Franziska S., die ihre Zwillinge direkt nach der Geburt tötete, ist verurteilt worden.

Potsdam/Franfurt(Oder) - Erst erschlug sie ihr Neugeborenes, dann bemerkte sie, dass es noch ein ungeborenes Zwillingsbaby gab, und tötete auch dieses - mit Schlägen auf ihren eigenen Bauch.

Eine 22-Jährige aus Brandenburg muss nach dem Verbrechen an ihren Söhnen drei Jahre und zwei Monate ins Gefängnis. Das Landgericht Frankfurt (Oder) verurteilte die Frau allerdings nur in einem Fall wegen Totschlags. Während der Tötung des noch Ungeborenen habe sie sich möglicherweise in einer psychischen Ausnahmesituation befunden, entschieden die Richter. Eine Schuldunfähigkeit sei nicht auszuschließen, deshalb werde die Studentin in diesem Punkt freigesprochen. Zudem wäre eine Strafe dafür im Vergleich zur Gesamtstrafe nicht ins Gewicht gefallen, wie es hieß.

Die junge Frau hatte im März dieses Jahres in der Wohnung ihrer Eltern in Biesenthal nordöstlich von Berlin zunächst allein einen Sohn zur Welt gebracht, ihn erschlagen und den Leichnam im Bettkasten versteckt. Erst als die Wehen nicht aufhörten, bemerkte sie nach ihrer eigenen Darstellung, dass sie noch ein Baby im Leib trug. Dieses tötete sie mit heftigen Schlägen auf ihren Bauch. Ein psychiatrischer Gutachter war im Prozess zu dem Ergebnis gekommen, dass die Frau wegen der andauernden Wehen nach der ersten Geburt und einer lebensbedrohlichen Querlage des zweiten Kindes steuerungsunfähig gewesen sei.

Urteil bleibt unter Forderung der Staatsanwaltschaft

Mit ihren Urteil blieben die Richter weit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von sechs Jahren Haft. Die Staatsanwältin hatte dies mit dem Motiv begründet, die Kinder hätten nicht in die egoistische Lebensplanung der Angeklagten gepasst. Die Verteidigung hatte dagegen mit Verweis auf die Ausnahmesituation auf eine Haftstrafe unter dreieinhalb Jahren plädiert. Die Verurteilte stammt aus gesicherten Verhältnissen. Der psychiatrische Gutachter hatte erklärt, weil die Frau sehr behütet aufgewachsen sei, habe sie die Auseinandersetzung mit größeren Problemen nicht gelernt.

So habe sie Anzeichen einer Schwangerschaft verdrängt und auf allgemeine Bauchschmerzen geschoben. Die Geburt habe sie deshalb völlig unvorbereitet getroffen. Der Kindsvater, ein 24-jähriger Student, war im Prozess als Nebenkläger aufgetreten. Er erklärte, nichts von der Schwangerschaft gewusst zu haben. Er hatte mit der Angeklagten eine eher lose Beziehung geführt. Gleich zu Beginn des Prozesses hatte die Studentin gestanden, die beiden Kinder getötet zu haben. Ihr Vater hatte die blutende Frau nach der Tat entdeckt und ins Krankenhaus gebracht. Dort hatten Ärzte das tote Ungeborene per Kaiserschnitt entbunden und dabei auch die zweite Nabelschnur entdeckt.

AP

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