Grube: Keine Erklärungen zu Pannen-Klimaanlagen

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Bahn-Chef Rüdiger Grube hat die Ursachen für die Pannenserie bei Klimaanlagen nicht eindeutig erklärt.

Berlin - Bahn-Chef Rüdiger Grube hat die Ursachen für die Pannenserie bei Klimaanlagen nicht eindeutig erklärt. Stattdessen hat er sich in einer Sondersitzung in widersprüchliche Aussagen verwickelt.

Ausschussmitglieder der Sondersitzung des Verkehrsausschusses bezeichneten die Ausführungen des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn im Anschluss an die Sitzung am Donnerstag in Berlin als unzureichend. “Wir haben nicht verstanden, was die Ursache ist“, sagte der Ausschussvorsitzende Winfried Hermann (Grüne). Auch Abgeordnete der anderen Fraktionen zeigten sich enttäuscht. Der Erkenntnisgewinn tendiere gegen Null, kritisierte die verkehrspolitische Sprecherin der Linken, Sabine Leidig. Weitgehende Zustimmung fand lediglich Grubes Ankündigung, Hitze-Geschädigten mit gesundheitlichen Beschwerden auch dann 500 Euro Entschädigung zu zahlen, wenn sie kein ärztliches Attest vorlegen könnten. Außerdem will die Bahn prüfen, eine kostenlose Hotline für Verbraucherinformationen zu schalten.

Widersprüchliche und ausweichende Aussagen

Grubes Ausführungen zu Ursachen und Konsequenzen aus den Pannen kritisierten die Abgeordneten dagegen als ausweichend und teils widersprüchlich. Seine Aussage, es habe keine Versäumnisse bei der Wartung gegeben, passe nicht zur Erklärung der Bahn, angesichts der Pannen bei der Wartung jetzt noch genauer hinzuschauen. “Das zeigt, dass noch weiter aufgeklärt werden muss“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Uwe Beckmeyer. Aussagen zu den technischen Ursachen für den Ausfall der Klimaanlagen machte Grube nur indirekt, indem er über Konsequenzen sprach. So werde der sogenannte “Druckwächter“ - der die Klimaanlagen offenbar wegen Überlastung abgeschaltet hatte - nun anders justiert.

Außerdem werde man die Stromversorgung der Züge untersuchen. “Häufig ist es ja gar nicht die Klimaanlage, sondern es sind andere Themen, die zu einer Störung in der Klimaanlage führen“, sagte Grube. Ob die Kühltechnik der von den Pannen besonders betroffenen ICE-2-Züge bei der anstehenden Generalüberholung ausgetauscht würden, stehe noch nicht fest, sagte Grube. Zu einem Bericht der “Frankfurter Rundschau“ (Donnerstagausgabe), die über in den vergangenen Jahren verlängerte Wartungsfristen bei ICE-Zügen berichtet hatte, sagte der Bahn-Vorstand zunächst, dies sei falsch, erklärte dann aber: “Davon ist mir nichts bekannt.“ Schuldig blieb er auch einen den Abgeordneten versprochenen Bericht über Veränderungen der Wartungsfristen. “Wir erwarten vollständige Transparenz bei der Frage, wie sich die Wartungsaufwendungen im Unternehmen entwickeln“, kritisierte der verkehrspolitische Sprecher der FDP, Patrick Döring.

Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat Grube und den Konzernvorstand unterdessen wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung angezeigt. “Es muss geklärt werden, ob es in Zusammenhang mit dem Ausfall von ICE-Klimaanlagen Defizite bei der Information der Fahrgäste gegeben hat“, sagte das Vorstandsmitglied Gerd Billen den Dortmunder “Ruhr Nachrichten“ (Freitagausgabe). Verkehrsminister Peter Ramsauer kündigte angesichts der Pannen Änderungen bei den Zulassungsverfahren an. “Wir werden den Klimaanlagen ein wesentlich stärkeres Augenmerk widmen“, sagte der CSU-Politiker. Grundsätzliche Kritik an der Bahn und der Bundesregierung äußerte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Anton Hofreiter.

Die Pannen in jüngster Zeit bei Achsen, Signalanlagen, Stellwerken und jetzt bei Klimaanlagen seien systemisch bedingt. “Der Konzern richtet seinen Fokus auf Renditeerwartungen. Verantwortlich dafür ist der Alleineigentümer, der Bund, vertreten durch das Verkehrsministerium“, sagte Hofreiter. Er kritisierte die Erwartung, von der Bahn jährlich 500 Millionen Euro Gewinn abschöpfen zu können. Auch die SPD forderte die Bundesregierung auf, die Pläne zur Ausschüttung der Dividende zu stoppen. Verkehrsminister Ramsauer verteidigte die Gewinnerwartungen. “Eine solche Ausschüttung ist im Geschäftsleben eigentlich etwas Normales“, sagte der CSU-Politiker.

DAPD

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