Felssturz: Vater und Tochter starben in den Trümmern

Stein a.d. Traun - Ein gewaltiger Felssturz hat in Stein im oberbayerischen Landkreis Traunstein das Wohnhaus einer vierköpfigen Familie dem Erdboden gleichgemacht.

Der Familienvater und die 18-jährige Tochter starben, die Mutter und der 16 Jahre alte Sohn überlebten das verheerende Unglück vom Montagabend schwer verletzt. Die Ermittlungen zur Ursache laufen auf Hochtouren. Felsbrocken, der wuchtigste so groß wie ein Autobus, türmten sich auf dem Anwesen. 

Bilder von der Unglücksstelle

Felssturz: Zwei Tote und ein Wunder

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Felsbrocken begräbt Haus unter sich

Am Unglücksort kursierten Vermutungen, der Felsabsturz könne mit dem winterlichen Wetter zu tun haben. Es seien schon früher immer wieder Steine aus der porösen Wand herausgebrochen. Diese Überlegungen, dass die Minusgrade den Felssturz ausgelöst haben könnten, bestätigte der Geologe beim Landesamt für Umwelt, Andreas von Poschinger, zunächst nicht. Risse wie sie an dem Felsabbruch zu sehen sind, seien bei dieser Gesteinsart durchaus üblich.

Bis zu 250 Einsatzkräfte waren bis zum frühen Morgen mit der Bergung beschäftigt. Als letzte wurde gegen 2.15 Uhr morgens die 40 Jahre alte Mutter mit schweren Verletzungen aus den Trümmern gezogen. Die Frau und der Sohn wurden ins Klinikum Traunstein gebracht, beide sind außer Lebensgefahr. Zuvor waren der 45-jährige Familienvater und seine Tochter tot geborgen worden. "Vermutlich waren beide sofort tot", sagte Polizeisprecher Franz Sommerauer am Dienstag.

Die beiden anderen Verschütteten hatten sich durch Klopfgeräusche bemerkbar gemacht und auf Fragen der Retter reagiert. "Alle vier Verschütteten hielten sich zum Zeitpunkt des Unglücks in einem Wohnraum auf", sagte Sommerauer. Die beiden Überlebenden hätten sich in einem Hohlraum befunden.

Das etwa 100 Jahre alte Haus der Familie war direkt an den Fels gebaut. Kurz vor 20.00 Uhr waren die Gesteinsmassen ins Rutschen geraten. Sie habe Schleifgeräusche gehört, sagte eine Frau, die mit ihrem Bruder und ihrer Schwägerin zwei Häuser weiter wohnt und die Nacht aus Sicherheitsgründen bei Verwandten verbringen musste. Am Morgen konnten die Bewohner in ihr Haus zurückkehren. Auch der Betrieb der Schlossbrauerei Stein neben dem Unglückshaus lief normal.

Ein Autofahrer, der Zeuge des Unglücks geworden war, hatte die Polizei informiert. Die Helfer von Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Rotem Kreuz versuchten, bei Minusgraden und Scheinwerferlicht an die verschüttete Familie heranzukommen. Schweres Gerät konnte nicht eingesetzt werden. "Die Helfer mussten mit bloßen Händen graben", sagte Sommerauer. Allenfalls konnten sie Schaufeln zu Hilfe nehmen. Die Rettungsversuche gestalteten sich extrem schwierig, weil der Hang über dem Haus weiter abzurutschen drohte.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kam nach Stein, um sich über den Stand der Dinge zu informieren.

Der Geologe Poschinger sagte, bei dem abgebrochenen Gestein handele es sich um etwa 200.000 Jahre alte eiszeitliche Ablagerungen namens Nagelfluh. Zur Ursache des Gesteinsabsturzes sagte der Geologe, die Untersuchungen würden längere Zeit dauern. Mehrere tonnenschwere Brocken seien auf das Einfamilienhaus gefallen. Schon einer der kleineren Brocken wiege geschätzte 250 Tonnen.

dpa

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