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Corona-Herbstwelle? Zahlen schnellen in die Höhe - Experte sieht gefährlichen Trend

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Von: Martina Lippl

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Grafische Darstellung Corona-Virus Corona-Virus Mikroskopische Ansicht SARS-CoV-2-Variante Omi
Corona-Herbst Nummer 3 im Anmarsch. Auch neue Varianten (Symbolfoto) sind schon unterwegs. © imago

Die Corona-Zahlen in Deutschland ziehen deutlich an. Baut sich eine Herbstwelle auf? Die Werte liefern ein unvollständiges Bild der Infektionslage, doch es gibt einen Trend.

Berlin – „Mich hat‘s jetzt auch erwischt“ – ein Satz, den offenbar viele gerade zu hören bekommen. Das hochansteckende Coronavirus grassiert – immer noch. Das Oktoberfest in München treibt, wie schon zuvor andere Volksfeste, die Infektionsdynamik an. In der Landeshauptstadt in Bayern verdoppelte sich die Bettenbelegung mit Covid-Infizierten schon während der Wiesn.

Corona in Deutschland: RKI meldet 134.000 Neuinfektionen

133.532 Corona-Neuinfektionen (Vorwoche: 95.811) und 128 Todesfälle (Vorwoche: 138) sind beim Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet worden. Bundesweit ist die Inzidenz auf 414,0 gestiegen. Das geht aus den Daten des RKI-Corona-Dashboards am Mittwoch (5. Oktober 2022, Stand: 3.08 Uhr) hervor.

Corona-Fallzahlen vom 3. Oktober 2022

Coronavirus Neuinfektionen133.532
Corona-Inzidenz414,0
Corona-Todesfälle128

Diese Corona-Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Nach dem langen Wochenende haben viele Gesundheitsämter Zahlen nachgeliefert. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Viele Infizierte lassen keinen PCR-Test machen und nur positive PCR-Tests fließen in die Statistik ein. Das RKI weist selbst auf tagesaktuelle Schwankungen, insbesondere zu Wochenbeginn und an den Wochenenden, hin und empfiehlt einen Blick in den ausführlichen RKI-Wochenbericht, den das Institut regelmäßig am Donnerstag veröffentlicht.

Die deutschen Fallzahlen steigen bereits so schnell wie nie zuvor in den vergangenen Jahren

Cornelius Römer

Die Corona-Zahlen zeigen nach Einschätzung von Corona-Experten einen deutlichen Trend. RKI-Chef Lothar Wieler ordnete die aktuelle Corona-Lage in Deutschland vergangene Woche (30. September 2022) noch als „stabil“ ein – das könnte sich ändern.

„Die deutschen Fallzahlen steigen bereits so schnell wie nie zuvor in den vergangenen Jahren, obwohl neue Varianten noch nicht einmal viel Wirkung zeigen“, schreibt Physiker und Daten-Analyst Cornelius Römer auf Twitter am 3. Oktober 2022. „Die nächsten Monate könnten eine holprige Fahrt werden.“ Dazu postet Römer einen Screenshot des RKI-Pandemieradar. Darauf ist zu sehen, dass sich die 7-Tage-Inzidenz im Vergleich zum Vortag zu diesem Zeitpunkt schon um 58,11 Prozent verändert hat. Auf dem RKI-Pandemieradar sind verschiedene Corona-Werte zu finden. Unter anderem auch „Änderung 7-Tage-Inzidenz zu Vorwoche“.

Dritter Corona-Herbst in Deutschland

Ein Blick auf die aktuellen Werte bei „Änderung der 7-Tage-Inzidenz zur Vorwoche“ zeigt, wie die Linie steil ansteigt und am 5. Oktober quasi in den Keller rauscht. Der Bereich auf der Grafik ist farblich grau hinterlegt. „Die letzten 2 Tage sind grau unterlegt, da durch Übermittlungsverzug die Werte in gewissem Maß unterschätzt werden können“, ist dazu in einem speziellen Info-Dialogfenster zu lesen. Der Wochenvergleich hinkt aufgrund fehlender Daten also noch hinterher.

Screenshot vom RKI-Pandemieradar (5. Oktober): Die grafische Darstellung  „Änderung 7-Tage-Inzidenz zu Vorwoche“ zeigt einen steilen Kurs nach oben.
Screenshot vom RKI-Pandemieradar (5. Oktober): Die grafische Darstellung „Änderung 7-Tage-Inzidenz zu Vorwoche“ zeigt einen steilen Kurs nach oben. © Screenshot RKI PandemieRadar

Corona in Deutschland: Wie ist die Lage auf den Intensivstationen?

Die Corona-Inzidenz ist ein Faktor, um das Infektionsgeschehen zu beurteilen. Viel wichtiger ist nach Ansicht von Experten die Zahl schwer kranker Covid-Patienten in den Kliniken. Auf den Intensivstationen in Deutschland werden derzeit 1.294 Corona-Patienten behandelt. Davon müssen 356 künstlich beatmet werden. Das geht aus den Daten des DIVI-Intensivregisters am Mittwoch (5. Oktober. Stand: 12.05 Uhr) hervor. Im Vergleich zum Vortag ein Anstieg um 81 Corona-Patienten. Am Dienstag (4. Oktober) waren es laut dem jüngsten RKI-Tagesbericht noch 1.213 COVID-19-Fälle. Ende September ist die Zahl über die 1.000 gestiegen.

Grafische Darstellung Corona-Virus Corona-Virus Mikroskopische Ansicht SARS-CoV-2-Variante Omi
Corona-Herbst Nummer 3 im Anmarsch. Auch neue Varianten (Symbolfoto) sind schon unterwegs. © imago

Was kommt nach Omikron BA.5? Subvariante BQ.1.1. oder BA.2.75?

In Deutschland hat die seit Mitte Juni dominierende Omikron-Sublinie BA.5 andere Varianten fast vollständig verdrängt, teilt das RKI in seinem jüngsten Wochenbericht mit. Ihr Gesamtanteil lag in KW 38/2022 bei 96 Prozent. „Die Varianten BA.2 und BA.4 machten auch in dieser Woche nur einen sehr geringen Anteil sequenzierter Sublinien aus“, schreibt das RKI.

Neue Corona-Varianten sind schon am Start: Omikron BA.2 entwickelt sich zu BA.2.75

Doch ein Abkömmling von BA.2 namens BA.2.75 steht unter Beobachtung. Auch schon Unter-Varianten davon sind vor kurzem aufgetaucht. Die neuen Varianten tricksen das Immunsystem aus.

„Weltweit wurde seit Juni 2022 die vermehrte Ausbreitung von BA.2.75 (inkl. Sublinien) beobachtet“, so das RKI. In der Stichprobe für Deutschland wären demnach seit KW 25/2022 bisher insgesamt 114 Genomsequenzen dieser Linien identifiziert worden. Der Anteil liege unter 1 Prozent.

Omikron-Variante BA.5 hat BQ.1.1 hervorgebracht

Aber auch Omikron BA.5 entwickelt sich weiter – wie zu BQ.1.1. In Großbritannien steht der Omikron-BA.5-Abkömmling unter Beobachtung und ist auf dem Vormarsch. Ob sich die Coronavirus-Varianten weltweit durchsetzen, ist zunächst noch unklar. Dass Viren mutieren, ist normal. Das Sars-CoV-2 macht da keine Ausnahme. Um zu überleben, passen sich Viren an, um sich möglichst schnell verbreiten zu können. (ml)

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