Ex-RAF-Terroristin Verena Becker in U-Haft

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Verena Becker auf einem undatierten Fahndungsfoto, das in den 1970er Jahren verbreitet wurde und Generalbundesanwalt Siegfried Buback, der im Jahr 1977 erschossen wurde.

Frankfurt/Main - 20 Jahre nach ihrer Freilassung aus dem Gefängnis sitzt die frühere RAF-Terroristin Verena Becker wieder wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.

Aufgrund neuer Beweise und Indizien im Mordfall Siegfried Buback 1977 wurde die 57-Jährige bereits am Donnerstag in Berlin festgenommen. Politiker forderten Aufklärung über die Rolle des Verfassungsschutzes in dem Fall.

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Der frühere BKA-Chef Hans-Ludwig Zachert wies den von Buback-Sohn Michael geäußerten Verdacht, Becker sei von Ermittlungsbehörden jahrzehntelang geschützt worden, als “abwegig“ zurück. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe ordnete am Freitagabend Untersuchungshaft für Becker an, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Sie wird als Mittäterin, aber nicht als Todesschützin verdächtigt.

DNA-Spuren an Bekennerschreiben

Der damalige Generalbundesanwalt Buback war am 7. April 1977 erschossen worden, dabei wurden auch zwei Begleiter getötet. Ermittlungen gegen Becker waren 1980 eingestellt worden, im Frühjahr 2008 wurde ein neues Verfahren eröffnet. Der jetzige Haftbefehl lässt sich unter anderem zurückführen auf DNA-Spuren Beckers an Briefumschlägen der Bekennerschreiben nach dem Buback-Mord sowie Unterlagen, die bei der Durchsuchung ihrer Wohnung beschlagnahmt worden waren.

Bubacks Sohn Michael zeigte sich im AP-Gespräch erleichtert über die Festnahme und sprach von von einem “guten Tag für unseren Rechtsstaat“. Bei MDR INFO kritisierte er zugleich erneut die Ermittlungsbehörden. Bestätige sich die Mittäterschaft Beckers an dem Mord an seinem Vater, müsse man der Frage nachgehen, warum die Aufklärung trotz sehr, sehr starker Hinweise so zögerlich vonstatten gegangen sei. “Und dann könnte es natürlich eine Rolle spielen, dass Frau Becker gleichzeitig eine dringend Tatverdächtige ist, aber eben auch eine Informantin des Geheimdienstes.“

Ex-BKA-Chef regt Kronzeugenregelung für Becker an

Ex-BKA-Chef Zachert wies Kritik Bubacks, der Verfassungsschutz könne Becker vor Strafverfolgung geschützt haben, als “abwegig“ zurück. Er regte im Magazin “Focus“ an, in ihrem Fall die Kronzeugenregelung anzuwenden. Wenn es gelänge, Becker durch einen Straf-Rabatt zum Reden zu bringen, könnte sie zur Aufklärung mehrerer RAF-Verbrechen beitragen, sagte Zachert, der von 1990 bis 1996 BKA-Präsident war, den Angaben zufolge. Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Wolfgang Bosbach, sagte der Oldenburger “Nordwest-Zeitung“: “Die Vermutung des Buback-Sohnes Michael, dass der Verfassungsschutz jemanden deckt, der vielleicht an einem Mord beteiligt war, beinhaltet einen massiven Vorwurf. Ich hoffe nicht, dass der sich eines Tages bestätigt.“ Dass jetzt, 32 Jahre nach der Tat, die Ermittlungen mit Hochdruck fortgeführt würden, “zeigt doch, dass der Staat nichts zu vertuschen hat“. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel rief Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble auf, sämtliche Akten über den Mord an Buback offenzulegen. “Gerade bei neuen Indizien ist es zwingend notwendig, dass die Akten genutzt werden, um zu klären, wer Buback ermordet hat, sagte Niebel dem “Hamburger Abendblatt“ zufolge. “Sonst setzt man sich dem Vorwurf der Vertuschung aus.“

ap

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