Deutschland will Millionen Grippe-Impfdosen abgeben

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Angesichts der Impfmüdigkeit haben Ärzte, Pfleger, Kassen und Politiker erstmals gemeinsam an die Bürger appelliert, sich gegen Schweinegrippe impfen zu lassen.

Berlin - Angesichts der Impfmüdigkeit wollen die Bundesländer 2,2 Millionen der insgesamt 50 Millionen Schweinegrippe- Impfdosen an bedürftige Länder abgeben.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) rief die Menschen am Montag erneut dazu auf, sich gegen die Krankheit impfen zu lassen. “Von einem Wellental soll man sich nicht täuschen lassen“, sagte er nach einem Spitzentreffen mit Ärzte- und Kassenvertretern am Montag in Berlin. Zwar gingen derzeit weniger Menschen mit Symptomen zum Arzt, aber eine zweite Welle könne kommen. Nur rund fünf Prozent der Bevölkerung seien bislang geimpft.

Gemeinsamer Appell zur Impfung

Angesichts der Impfmüdigkeit haben Ärzte, Pfleger, Kassen und Politiker erstmals gemeinsam an die Bürger appelliert, sich gegen Schweinegrippe impfen zu lassen. Bundesgesundheitsminister Rösler sagte in Berlin, auch wenn derzeit weniger Influenza-Fälle gemeldet würden, habe die Krankheit nichts an ihrer Gefährlichkeit verloren. In Deutschland gebe es mittlerweile rund 190.000 Infizierte und 86 Todesfälle.

Geimpft seien inzwischen schätzungsweise fünf Prozent der Bevölkerung und 15 Prozent des Ärzte- und Pflegepersonals. Nach dem zweiten Impfgipfel bei Rösler sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer, Christoph Fuchs, man habe festgestellt, dass der Impfstoff sicher und wirksam sei.

Fuchs nannte es überraschend, wie hoch trotzdem das Maß an Unsicherheit in Bevölkerung und Ärzteschaft sei. Auch wenn die erste Welle der Erkrankungen inzwischen den Höhepunkt überschritten habe, könnte es eine zweite Welle und eine Veränderung des Virus geben. Wolfram Hartmann vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sagte, eine Impfung schütze mehr als ein Jahr lang gegen die Schweinegrippe, auch wenn sich der Erreger verändere.

Zwar verlaufe die Schweinegrippe in Deutschland wesentlich harmloser als zunächst befürchtet. Trotzdem habe es Tote gegeben. “Durch die Impfung kennen wir bislang keinen einzigen Todesfall“, erklärte Hartmann.

Hartmann rief ebenso wie die Ständige Impfkommission dazu auf, jetzt Kinder ab dem Alter von sechs Monaten impfen zu lassen. Es habe sich herausgestellt, dass bis zum zehnten Lebensjahr eine einzige Impfung mit der halben Erwachsenendosis ausreichend sei. Hartmann sprach sich für die Impfung von Kindern und Jugendlichen aus, auch wenn sie schon Grippesymptome hatten. Oft sei nicht abgeklärt worden, ob es der Schweinegrippe-Erreger gewesen sei. “Wir haben im Moment genügend Impfstoff“, sagte der Verbandspräsident.

dpa

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