Vierte Corona-Welle schon da?

Virologe Streeck lässt mit Aussage aufhorchen: „Impfschutz vor der Infektion wird überschätzt“

Die Corona-Infektionszahlen steigen in Deutschland von Tag zu Tag. Ist das schon der Beginn der vierten Welle? Virologe Hendrik Streeck bezweifelt das und warnt dagegen vor dem Herbst.

Köln - Die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland* ist wieder zweistellig. Epidemiologen blicken mit Sorge auf das Infektionsgeschehen, fürchten den Beginn einer vierten Corona-Welle. Dabei sollte es ein entspannter Sommer 2021 werden - trotz Corona.

Virologe Streeck: Vierte Corona-Welle im Herbst befürchtet

„Glaube nicht, dass das die vierte Welle ist“, sagt Virologe Hendrik Streeck (43) im ntv-Interview. Es sei ein deutlicher Anstieg zu sehen. Reiserückkehrer würden das Virus zurückbringen und auch die Öffnung der Schulen spiele eine Rolle, räumt Streeck ein. Stattdessen warnt er vor dem Herbst: „Wir müssen uns aber auf den Herbst vorbereiten, denn da rechne ich mit einer vierten Welle.“

Die Delta-Variante dominiert inzwischen auch in Deutschland. Inzwischen liegt der Anteil der Delta-Varianten bei den Coronavirus-Neuinfektionen bei 74 Prozent. Die Corona-Mutation gilt als ansteckender, laut britischen Studien bis zu 60 Prozent. In Frankreich, Großbritannien und Spanien explodieren die Infektionszahlen. Viele vollständig Geimpfte infizieren sich mit der Delta-Variante. Das sorgt für Unsicherheit. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn warnte vor einer 800er-Inzidenz im Oktober* auf einer Pressekonferenz am Mittwoch (21. Juli 2021) in Berlin.

Streeck über Corona: Der Impfschutz vor der Infektion wird überschätzt

Die Gefahr habe laut dem Bonner Virologen Streeck zufolge weniger mit der Delta-Variante* zu tun. Ein anderer Punkt sei bei dem dynamischen Infektionsgeschehen entscheidend: „Was ich annehme, ist, dass der Impfschutz vor der Infektion überschätzt wird.“ Der Impfstoff schütze vor einem schweren Verlauf einer Coronainfektion. Er diene dem eigenen Schutz, sei kein Fremdschutz.

„Wir müssen uns alle impfen lassen, damit wir keinen schweren Verlauf haben - uns selber schützen“, appelliert Virologe Streeck im ntv-Gespräch. Denn: „Eine Herdenimmunität werden wir mit diesem Impfstoff* leider nicht erreichen.“

Streeck über Großbritannien: „Das ist ein gefährliches Experiment“

Möglichst schnell - vollständig impfen - das ist nach Ansicht von Experten ein wichtiges Mittel gegen eine vierte Corona-Welle. Bisher sind in Deutschland etwa 45 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Die Impfquote müsste jedoch bei den 12 bis 59- Jährigen mindestens bei 85 Prozent liegen schätzt das Robert-Koch-Institut* (RKI). Bei den über 60-Jährigen bei 90 Prozent.

Die Lockerungen in London und Großbritannien sieht Streeck kritisch. „Das ist ein gefährliches Experiment, das hier gemacht wird. Und ich hoffe, dass es dort nicht in die Krankenhäuser überschwappen wird.“

Karl Lauterbach schreibt den Herbst 2021 angesichts der Lage schon ab. Der SPD-Gesundheitsexperte stößt zudem eine Debatte mit Blick auf Bezug auf Langzeitfolgen von Corona Long-Covid an. (ml) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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