Deutsches Schiff von Piraten gekapert

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Die "EMS River" ist gekapert worden

Papenburg/Hamburg - Die Papenburger Reederei Grona Shipping hat die Entführung ihres Schiffes “EMS River“ durch Piraten bestätigt. An Bord befinden sich acht Besatzungsmitglieder.

“Einzelheiten möchte ich mit Rücksicht auf die Besatzung zunächst nicht bekanntgeben“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Ebbe Prins am Mittwoch in Papenburg. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) fordert vor dem Hintergrund der neuerlichen Piratenattacke einen besseren Schutz für die Seeleute.

Das Frachtschiff “EMS River“ war am Montag nach Angaben der EU-Mission Atalanta rund 280 Kilometer nordöstlich der omanischen Hafenstadt Salala gekapert worden. An Bord befinden sich acht Besatzungsmitglieder. Sieben von ihnen kommen von den Philippinen, einer aus Russland. “Wir haben noch keinen Kontakt zu den Entführern“, berichtete der Sprecher.

Zum genauen Gesundheitszustand der Mannschaft wurden zunächst keine Angaben gemacht. Es gehe ihnen jedoch gut, sagte ein Sprecher der Reederei Grona Shipping. Das 99 Meter lange Schiff war mit einer Ladung Petroleum auf dem Weg von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Griechenland. Die Piraten hätten bei ihrem Angriff ein bereits zu einem früheren Zeitpunkt gekapertes Schiff als “Mutterschiff“ genutzt.

25 Schiffe mit 587 Geiseln in Piratenhand

Die Reederei Grona Shipping wurde im Jahr 2005 im ostfriesischen Leer gegründet und hat ihren Sitz erst vor kurzem ins benachbarte Papenburg verlegt. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben auf das Schiffsmanagement von kleinen Massengutfrachtern mit einer Tragfähigkeit bis zu 8.000 Tonnen spezialisiert. Die “EMS River“ war erst Ende November von der Bauwerft in Bangladesch an die Reederei übergeben worden und fährt unter der Flagge von Antigua und Barbuda.

Nach Angaben des VDR, der sich auf Zahlen der EU-Mission beruft, befinden sich derzeit 25 internationale Schiffe mit 587 Geiseln in der Hand somalischer Piraten. Sie müssten häufig über viele Monate die Geiselhaft unter unwürdigen Bedingungen und ohne Kontakt zu ihren Familien erdulden. “Es ist wichtig, dass die Seeleute in Zukunft noch besser geschützt werden“, sagte VDR-Hauptgeschäftsführer Ralf Nagel am Mittwoch in Hamburg. Die umfangreichen Selbstschutzmaßnahmen der deutschen Reeder hätten bereits dazu geführt, dass die Attacken seltener erfolgreichen seien.

Eine zusätzliche Gefahrenabwehr erhoffen sich die Reeder von bewaffneten Kräften der Bundespolizei oder der Bundeswehr an Bord deutscher Handelsschiffe. Darüber werden nach VDR-Angaben im Januar Gespräche mit der Bundesregierung stattfinden.

dapd/dpa

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