Die Deutschen bleiben Reiseweltmeister

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Die Deutschen bleiben Reiseweltmeister.

Frankfurt/Main/Port Ghalib - Die Deutschen sind weiter Weltmeister im Reisen - und können sich auch noch über günstige Preise freuen. In vielen Reiseländern bleiben andere Urlauber aus.

Vor allem Amerikaner, Briten oder Russen verbringen die Ferien in der Wirtschaftskrise häufiger zu Hause. Hotels und Fluggesellschaften buhlen darum mit Preisnachlässen um die reisefreudigen Deutschen. Diese Bilanz für das Ende Oktober abgelaufene Tourismusjahr 2008/09 stellte der Deutsche Reiseverband (DRV) am Donnerstag bei seiner jährlichen Tagung im ägyptischen Port Ghalib vor. Die Veranstalter setzten 20,7 Milliarden Euro um - etwa drei bis vier Prozent weniger als im Jahr zuvor. “Es sind fast genau so viele Urlauber mit Reiseveranstaltern verreist wie im Vorjahr, jedoch zu niedrigeren Preisen“, sagte DRV- Präsident Klaus Laepple zum Auftakt der Jahrestagung laut Mitteilung.

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Dagegen habe die Krise in Großbritannien wegen des Verfalls der Häuserpreise und schlechter Wechselkurse viel größere Spuren hinterlassen, erläuterte Laepple in einem Gespräch mit der dpa. “Für die Briten ist der Urlaub in Spanien teurer geworden“. In Südfrankreich oder in der Türkei sei die Nachfrage aus Russland stark gesunken. Fremdenverkehrsämter bestätigen den Trend. Das spanische Fremdenverkehrsamt in Frankfurt berichtete, die Zahl der Besucher aus Deutschland sei in den ersten zehn Monaten dieses Jahres um 11,1 Prozent gesunken, die Zahl der Touristen aus Großbritannien aber um 15,7 Prozent. In der Türkei gab es in diesem Zeitraum laut türkischem Fremdenverkehrsamt sogar einen leichten Anstieg der Touristenzahlen aus Deutschland, während die Nachfrage aus Russland um fast sieben Prozent sank.

Hotels hätten die deutschen Anbieter im abgelaufenen Sommer mit Sonderangeboten überschüttet, berichtete Laepple. “Das Hotelzimmer ist neben dem Sitzplatz im Flugzeug die verderblichste Ware der Welt“, sagte Laepple. Dadurch seien zwar auch die Umsätze der deutschen Reiseveranstalter zurückgegangen, doch dies habe sich bei den meisten Anbietern nicht auf den Gewinn ausgewirkt.

Auch Europas größter Reiseveranstalter TUI Travel hatte zumindest im operativen Geschäft zuletzt wieder schwarze Zahlen präsentiert. Konkurrent Thomas Cook mit seinen deutschen Marken Neckermann Reisen und Condor verbuchte sogar steigende Umsätze und Gewinne im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr. Die wesentlich stärker auf den deutschen Markt ausgerichtete Veranstaltergruppe Dertour erlitt nach eigenen Angaben bei stabilen Umsätzen keine Einbußen bei der Rendite. Anders sieht die Lage in vielen Reisebüros aus, deren Gewinn sich oft im Gleichklang mit dem Umsatz entwickelt.

Das Reisebüro-Sterben geht weiter

Zuletzt gab es in Deutschland laut DRV-Datenbank noch 10 717 Reisebüros und damit 329 weniger als vor einem Jahr. Auf 100 000 Einwohner kämen im Moment 12 Büros, erklärte der Verband. Die “Reisebürodichte“ sei damit noch sehr hoch. Ein Trend im abgelaufenen Tourismusjahr waren Reisen in die nähere Umgebung. Während mit Flugpauschalreisen sechs bis sieben Prozent weniger Umsätze gemacht wurde, stiegen die Erlöse mit organisierten Reisen in heimische Gefilde um rund drei Prozent, berichtete der DRV- Expertenkreis Marktforschung und Statistik. Für die gerade begonnene Wintersaison rechnet der Verband mit einer Fortsetzung der Trends. Die Nachfrage liege fast auf Vorjahresniveau, der Umsatz angesichts der Preissenkungen aber noch zweistellig im Minus. “Der Urlaub nimmt gerade auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten einen hohen Stellenwert bei den Deutschen ein“, sagte Laepple. “Es wird aber eben stärker auf den Preis geschaut als bislang.“ dpa rg yyhe a3 bsj/rom

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