Denkmal für Wehrmachtsdeserteure in Köln

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Der schweizer Designer Ruedi Baur in Köln unter dem von ihm entworfenen Denkmal für Wehrmachtsdeserteure.

Köln - Im Zentrum von Köln erinnert jetzt ein Denkmal an die Wehrmachtsdeserteure und Kriegsdienstverweigerer der Nazi-Zeit.

Auch in einigen anderen deutschen Städten gibt es Denkmäler, jedoch meist klein und auf Privatgelände. Die Stadt Köln hat nach eigenen Angaben als erste einen internationalen Kunstwettbewerb für eine würdige Erinnerung ausgeschrieben. Der nun verwirklichte Siegerentwurf des Schweizer Designers Ruedi Baur besteht aus einer Pergola, deren Dach aus einem Text aus farbigen Aluminiumlettern besteht. Baur beschreibt den Text als “Kettentext, der auch die Kettenreaktionen unserer Gesellschaft symbolisiert“: Ein einzelner Akt der Zivilcourage könne viele ähnliche Reaktionen hervorrufen und dadurch etwas bewirken.

So begann der Zweite Weltkrieg

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Werner Jung, der Direktor des Kölner NS-Dokumentationszentrums, sprach am Dienstag bei der Vorstellung des Denkmals kurz vor der offiziellen Enthüllung am Abend von einem beeindruckenden Monument. “Für mich ist es ein Denkmal von nationalem Rang und bundesweiter Ausstrahlung.“ An prominenter Stelle in der Sichtachse des Doms und direkt vor einem großen Justizgebäude sei ein Erinnerungsraum entstanden, der Maßstäbe setzen werde. “Es ist keine Betroffenheitsästhetik, die das Erinnern herbeihämmert“, sagte Jung.

Der 87 Jahre alte Ludwig Baumann, der als Wehrmachtsdeserteur knapp der Hinrichtung entgangen war, zeigte sich bewegt. “Für mich ist es natürlich ein Traum, der heute in Erfüllung geht.“ Baumann hatte zehn Monate in einer Zelle auf seine Hinrichtung gewartet, ehe er von seiner Begnadigung erfuhr und in ein Strafbataillon kam.

Insgesamt sprach die NS-Militärjustiz etwa 30 000 Todesurteile gegen Wehrmachtsdeserteure aus, wovon 20 000 vollstreckt wurden. “Viele unserer Richter haben nach dem Krieg Karriere gemacht“, sagte Baumann. Überlebende Deserteure dagegen wurden als “Vaterlandsverräter“ geschnitten. Erst 2002 hob der Bundestag die Urteile des NS-Regimes auf und rehabilitierte die “Fahnenflüchtigen“. Baumann sagte, für ihn sei es besonders wichtig, dass das Denkmal einen Bezug zur Gegenwart herstelle: Zivilcourage sei auch heute gefragt.

dpa

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