Vorbild aus den USA

Tierärzte wollen bei Corona-Impfungen helfen – werden aber von der Regierung ignoriert

Mit der Impfkampagne gegen das Coronavirus geht es weiter nur schleppend voran. Ein Gruppe von Fachärzten will helfen. Aber die Bundesregierung stellt sich quer.

Dortmund – In der aktuellen Coronavirus-Impfverordnung (PDF) sieht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die „flächendeckende Einbeziehung von Arztpraxen“ beim Impfen gegen Corona vor. Ab dem Mittwoch nach Ostern (7. April) soll es dann auch endlich so weit sein: Kassen- und Betriebsärzte sowie Privatpraxen dürfen dann das Corona-Vakzin verabreichen*. Eine Gruppe von Fachärzten wird dabei allerdings ignoriert - obwohl sie deutlich macht, unbedingt bei der Impfkampagne helfen zu wollen, wie RUHR24.de* berichtet.

Corona-Impfung: Tierärzte wollen bei Impfkampagne einbezogen werden

Konkret geht es um die Gruppe der Tierärzte. In den USA werden die Fachärzte wie selbstverständlich in die Corona-Impfkampagne miteinbezogen. Auch in Frankreich dürfen Tierärzte bald Impfungen gegen das Coronavirus verabreichen. Und in Deutschland?

Nach Aussagen von Siegfried Moder, Präsident des Bundesverbands der praktizierenden Tierärzte, gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung will man hierzulande davon nichts wissen. Er wirft Bundesgesundheitsminister Jens Spahn deshalb Versäumnisse und Missmanagement vor.

Tierärzte könnten bis zu zwei Millionen Menschen pro Monat gegen Corona impfen

Der pragmatische Ansatz, dass Tierärzte in den USA gegen Corona impfen dürfen, führe dort zu einem großen Erfolg, so Moder. Auch in Deutschland könnten die rund 10.000 Tierarztpraxen bei der Immunisierung unterstützen. Das wären bei nur 50 Impfungen pro Woche und Praxis in einem Monat zusätzlich etwa zwei Millionen Menschen, die gegen das Coronavirus geimpft werden könnten (hier mehr Corona-News aus NRW* auf RUHR24.de lesen).

„Wir haben bereits Anfang Dezember der Bundesregierung unsere Unterstützung bei der Corona-Schutzimpfung angeboten, aber unsere Unterstützung wurde (...) bis heute ignoriert“, kritisiert der Verbandschef. Das sei auch schon der Fall gewesen, als Tierärzte sich im Sommer 2020 bereit erklärt hatten, Corona-Testung durch akkreditierte Vet-Labore durchführen zu können.

Corona-Impfung: Ignoranz der Regierung könnte Menschenleben kosten

Moder hält diese Ignoranz der Bundesregierung für „grob fahrlässig“. Dass man Tierärzte im Kampf gegen Corona nicht miteinbeziehe könne man sich nur dann leisten, wenn man die Lage im Griff habe. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen lässt allerdings das Gegenteil vermuten.

Die deutschen Tierärzte fordern daher noch einmal die Bundesregierung auf, sie in die Impfkampagne miteinzubeziehen. Es sollten umgehend die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, damit das Impfen gegen Corona schneller vorangeht.

Deutsche Tierärzte fordern die Regierung auf, ebenfalls gegen das Coronavirus impfen zu dürfen.

Dies sei insbesondere deshalb wichtig, wenn „im zweiten Quartal tatsächlich große Mengen an Impfstoffen eintreffen, wie es die Bundesregierung verspricht“, so Moder. Dann solle in Deutschland jeder impfen dürfen, der auch impfen kann. „Alles andere wird Menschenleben kosten.“ *RUHR24.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Matthias Bein/dpa

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