Millionärin sucht Mann - Betrug bei RTL?

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Die fragliche Villa liegt direkt am Starnberger See.

Berg - Elke Lex ist steinreich, im Fernsehen suchte sie jetzt einen Mann für ihr kleines Glück, in ihrer Villa am Starnberger See. Ganz ehrlich war sie dabei aber offenbar nicht. Statt von Betrug spricht RTL aber von einem "handwerklichen Fehler".

Jeden Tag lud sie die RTL-Zuschauer in ihre riesige, rosafarbene Villa am Starnberger See: Die wohlhabende Elke Lex aus München präsentierte dem TV-Publikum bei ihrer TV-Suche nach einem neuen Partner unter dem Motto “Millionärin sucht Mann“ ihre luxuriösen 1000 Quadratmeter Wohnfläche, “attraktiv, erfolgreich und stinkend reich“, wie der Sender den Zuschauern erklärte.

Doch Frau Lex, unter anderem Naturkosmetik- und Medizin-Unternehmerin mit Potenzmitteln im Angebot, wohnt gar nicht in dem im Fernsehen zur Schau gestellten Anwesen, wie der Mediendienst dwdl.de jetzt herausfand, sondern bewohnt lediglich eine Wohnung in München, die in der TV-Serie aber nicht ins Bild gerückt werden sollte.

"Hier lebt unsere Millionärin im absoluten Luxus"

In jeweils fünf zehnminütigen Folgen suchte die Millionärin Elke Lex in der vergangenen Woche jeweils um die Mittagszeit von Montag bis Freitag auf RTL nach einem Mann. Immer wieder wurden dazu Bilder der 1000 Quadratmeter großen Luxusvilla an der Seestraße in Berg gezeigt. Dazu hieß es: „Starnberger See. Hier lebt unsere Millionärin Elke Lex im absoluten Luxus.“ Der Zuschauer bekam den Eindruck: Elke Lex wohnt in Berg.

Das Haus ist für für Film- und Fernsehaufnahmen zu mieten. Vergangenes Jahr war der Starnberger Merkur dabei, als Hannelore Elsner und Götz George eine Komödie in der Villa drehten. Auch ProSieben bediente sich nach Informationen des Branchendienstes dwdl.de  für die Reihe “Giulia in Love“ der pompösen Immobilie, die nach groben Schätzungen auf rund 20 Millionen Euro taxiert wird.

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Ein RTL-Sprecher sagte auf Anfrage am Donnerstag, dass es sich bei der Miniserie, die fünfmal vergangene Woche jeweils über zehn Minuten im Magazin “Punkt 12“ zu sehen war, nicht um einen Betrug am Zuschauer, sondern “um einen handwerklichen Fehler, den wir bedauern“ handele. Frau Lex “verbringt nach unseren Informationen jede freie Minute in der Villa ihrer besten Freundin am Starnberger See“, sagte der Sprecher weiter.

Laut Matthias Bolhöfer von RTL hat der Sender die Mini-Kuppelshow eine externe Produktionsfirma mit der Kuppelshow beauftragt. "Die Produktionsfirma hat den Fehler eingeräumt und sich entschuldigt." Es habe sich herausgestellt, dass die Firma den Sender über bestimmte Details nicht informiert hatte.

Die echte Besitzerin war einverstanden

Die Eigentümerin der Villa weist Vorwürfe zurück, dass Elke Lex oder der Kölner Privatsender betrügerisch gehandelt habe: „Es passierte mit meinem Einverständnis“, sagte sie dem Starnberger Merkur. Weiter wollte sie sich zu der Sache nicht äußern. Auch Elke Lex, die in Bogenhausen eine Firma für Hautpflegemittel, Potenz- und Gesundheitsprodukte betreibt, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das Senderloge von RTL.

Aber warum denn überhaupt solch eine Inszenierung? Um die Marktanteile der Sendung nach oben zu treiben? “Die Quoten von “Punkt 12“ liegen weit über dem Senderschnitt“, meinte der Sprecher. “Daher herrscht kein Druck außer dem, den wir uns selbst machen.“ Aber dennoch: “Punkt 12“ ist nicht mehr wie einst der Garant von rund 30 Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49- jährigen Zuschauer, sondern hat sich nach seiner Verlängerung von einer auf zwei Stunden bei Werten um die 23 bis 24 Prozent eingependelt.

"Solche Inszenierungen bringen Quote"

Unter Experten wird die RTL-Erfindung als problematisch, wenngleich auch nicht als betrügerisch gewertet. “Wir müssen das als Teil einer Inszenierung betrachten“, sagt die Hamburger Medienwissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher vom Hans-Bredow- Institut. Die Rechnung sei ganz einfach: “Eine gute Inszenierung ist wichtig, um quotenträchtiger, schöne Storys auf den Sender zu bringen.“

Gerade Dokusoaps seien betroffen, auch schon Reihen wie “The Bachelor“, als sich herausstellte, dass der Hauptprotagonist längst vergeben gewesen sei. Um Orientierung im Alltag zu bekommen, sei es nicht wichtig, ob eine Geschichte für den Zuschauer inszeniert sei oder nicht, sagt Nicole Labitzke, Leiterin des Elektronischen Medienzentrums Mainz.

Auch die hoch geschätzten Dokumentationen der 60er Jahre seien schon zum Teil Inszenierungen gewesen. Das Fernsehen von heute allerdings verdichtet den Effekt: Durch die Vielzahl von Geschichten, die das Medium transportiert, kann kaum noch unterschieden werden: Wo hört die Wahrheit auf, wo fangen Lüge oder Betrug an. Die Privatsender bedienen sich seit einiger Zeit der “gescripteten“ Sendungen, in der echt wirkende Psychoshows und Dokusoaps vorher getextet und mit Laiendarstellern besetzt werden.

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Gefährlich wird es für Experten dann, wenn das Publikum glaubt, die Wahrheit vorgesetzt zu bekommen: Zuletzt machte die heiß geliebte Show “Bauersucht Frau“ Ende vergangenen Jahres von sich reden, als herauskam, dass der 48- jährige Maurizio, der mit der 43-jährigen Claudia anbandelte, gar kein Bauer war, sondern ein Forstfachmann.

Zum aktuellen Fall bei "Punkt 12"sagt RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer: "Aber auch wir werden uns nicht aus der Verantwortung ziehen. Denn auch wenn niemand zu Schaden gekommen ist: " Der Eindruck , dass sei ihre Villa, durfte nicht entstehen. Das ist einmal passiert, aber das darf nicht wieder passieren."

Der Millionärin Elke Lex hat die Sendung jetzt zwar einen Skandal gebracht. Gefunkt hat es laut RTL aber mit keinem der Kandiaten. "Der Richtige ist wohl nicht dabei gewesen", sagt Bolhöfer. An der falschen Villa ist ihr Glück wohl nicht gescheitert.

Sandra Sedlmaier mit Material von dpa

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